Neuss: Elvekumer fürchten um die Zukunft ihrer Heimat

Neuss: Elvekumer fürchten um die Zukunft ihrer Heimat

Der neue Flächennutzungsplan sieht Gewerbegebiete nördlich und südlich des Dorfes vor. "Gut Elvekum" wäre in der Existenz bedroht.

In Elvekum werden Unterschriften gesammelt. Anders wissen sich die knapp 325 Elvekumer nicht (mehr) zu helfen. In dem Ort, der sich bisher noch jedes Mal an dem Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" beteiligt hat, treibt nicht wenige die Sorge um, dass ihr Dorf, wie sie es kennen, keine Zukunft mehr hat. Anlass für die Sorge ist der Entwurf für den neuen Flächennutzungsplan, der noch bis Freitag öffentlich ausliegt und die Ausweitung von zwei neuen Gewerbegebieten in ihrer Nähe vorschlägt.

"Kruppstraße" in Derikum und "Kuckhofer Straße Ost" in Allerheiligen heißen die jeweils 25 Hektar großen Flächen, die nach Meinung von Annette Bassow besser Elvekum-Nord und Elvekum-Süd heißen würden. Dann wüsste auch jeder, welcher Ort am meisten darunter leiden würde, sagt sie. Zwischen dem erweiterten Gewerbegebiet Derikum und Elvekums Ortsrand bliebe nur noch ein Streifen frei, dessen Breite die Verwaltung mit 200 Metern angibt. Gefühlt ist das für die Elvekumer deutlich weniger. Und mit der Fläche an der Kuckhover Straße schiebt sich das Gewerbe von Süden her bis an die Kreisstraße 30 heran, wo mit der Errichtung eines Baumarktes aus Sicht der Elvekumer schon eine Planungssünde begangen wurde.

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Mit der Ansiedlung von neuem Gewerbe rechnet man in dem Dorf, das lange (und am Ende erfolgreich) für eine Lärmschutzwand an der Eisenbahn kämpfen musste, mit mehr Lärm, mehr Verkehr, mehr Schadstoffen. Dabei sei schon jetzt die Grenze des Erträglichen erreicht, sagen Elvekumer wie Peter und Marie-Luise Wätzold, Michael Dollichon oder Helene von Zons. Sie hatten 2014 schon einmal Unterschriften gesammelt, als "Kuckhover Straße Ost" nur als potenzielle Gewerbefläche im Vorentwurf genannt wurde. Mit der erneuten Offenlage wird die Fläche hochgestuft, da ein "erweiterter Gewerbeflächenbedarf absehbar ist", wie die Verwaltung zur Begründung schreibt.

Diese Salami-Taktik ärgert Annette Bassow, die auf Gut Elvekum aufwuchs und mit ihrer Familie den Hof, den letzten aktiven Ackerbaubetrieb im Ort, bewirtschaftet. Sie teilt die Sorgen der Elvekumer, bei ihr jedoch kommt echte Existenzangst hinzu. Ihr Hof mit derzeit 85 Hektar Fläche unter dem Pflug würde 18 Hektar davon an die beiden Gewerbegebiete verlieren. 15 Hektar davon sind seit Generationen im Familienbesitz. "Dieser Flächennutzungsplan zerstört die Zukunft unseres landwirtschaftlichen Betriebes", sagt Bassow, die ihre Sorgen und Argumente schon 2015 zu Papier gebracht hat. Ihre Einwände, vorgetragen bei der ersten Auslegung des Flächennutzungsplanes, wurden, wie sie es sarkastisch nennt, "weggewichtet". In keinem entscheidenden Punkt folgt die Verwaltung in ihrer Bewertung Bassows Anregung. "Traurig", nennt das die Landwirtin - und macht weiter

(-nau)