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Neuss: Eltern zahlen fünf Euro für saubere Schultoiletten

Neuss : Eltern zahlen fünf Euro für saubere Schultoiletten

Weil die Toiletten in der Realschule Holzheim ständig beschmiert und verdreckt waren, zahlen Eltern nun fünf Euro pro Halbjahr für eine Aufsicht. Auch andere Schulen gehen mit eigenen Konzepten gegen das ewige Problem vor.

Neben Integralrechnung und garstigen Lehrern gehört zu den kleinen Grausamkeiten des Schulalltags für viele Schüler wohl auch der Besuch der Toilette: Mit Edding bekritzelte Trennwände, penetranter Gestank aus verdreckten Schüsseln und meterlange Klopapierschlangen gehören oft zum Bild — so auch in den Toiletten der Realschule Holzheim.

Jetzt hat die Schulleitung die Notbremse gezogen. Seit dem neuen Schuljahr zahlen Eltern pro Halbjahr fünf Euro, damit zwei eigens eingestellte Ordnungskräfte die Schultoiletten kontrollieren. "Es ging nicht anders. Die Toiletten waren in einem unhaltbaren Zustand", sagt der stellvertretende Schulleiter Michael Schwirn. Doch obwohl es vor allem die Eltern waren, die die schmutzigen Sanitäranlagen kritisierten, sind nicht alle mit der Gebühr einverstanden.

"Ich finde das schon etwas merkwürdig", sagt ein Vater, dessen Tochter die Realschule besucht und der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. "Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt zahlen, weil weder Putzfrauen noch Hausmeister das Problem in den Griff kriegen."

Bei Michael Schwirn hat sich wegen der Gebühr bisher noch niemand beklagt. "Die Eltern haben uns ja selbst auf das Problem aufmerksam gemacht, weil ihre Kinder sich nicht mehr auf die Toiletten trauten." Die fünf Euro seien außerdem keine Pflichtbeitrag, sondern freiwillig zu zahlen. Den größten Teil des Gehalts der Ordnungskräfte finanziere der Förderverein.

Die beiden Frauen kontrollierten außerdem nicht nur die Sanitärräume, sondern beaufsichtigen auch die Schüler in den Pausen — allerdings nur vormittags. Am Nachmittag sind die Toiletten verschlossen. Wer sie nutzen wolle, müsse den Schlüssel im Sekretariat abholen. Bisher funktioniere das neue Konzept recht gut, so Schwirn: "Es gibt weniger Schmierereien und die Toiletten sind sauberer."

Auch in anderen Neusser Schulen rückt man dem Problem mit kreativen Lösungen zuleibe. Bereits vor drei Jahren hat die St.-Peter-Grundschule die alten Toiletten zumindest äußerlich ansehnlicher gemacht. Eltern, Kinder und Lehrer bemalten die Türen zu Themen wie Dschungel oder Fußball. Jede Woche ist eine Gruppe Schüler im Einsatz, die nach Dienstplan die Toiletten auf Sauberkeit kontrolliert.

"Anfangs ist das vor allem von den Eltern mit Skepsis betrachtet worden", sagt Schulleiterin Dorothea Braeuer-Lustenberger. "Viele haben gesagt 'Mein Kind muss doch wohl nicht die Schultoiletten putzen'. Aber sie kontrollieren ja nur." Seitdem sei das Problem gelöst — auch wenn die Schüler immer wieder erinnert werden müssten.

Die Pestalozzi-Grundschule setzt auf das Belohnungsprinzip: Für 20 Tage, an denen die Toiletten sauber bleiben, gibt es einen Freitag keine Hausaufgaben. Wer während des Unterrichts auf die Toilette geht, trägt sich in eine Liste ein. Langfristig sollen die Schüler lernen, die sanitären Anlagen sauber zu halten — auch ohne Belohnung.

In Holzheim sollen die Ordnungskräfte nun ein Jahr bleiben — vorerst. Michael Schwirn aber hofft auch auf die Vernunft seiner Schüler: "Schließlich verschmutzen sie die Toiletten, die sie selbst nutzen."

(NGZ/rl)