Neuss: Eltern kritisieren Container-Lösung in Kitas

Neuss : Eltern kritisieren Container-Lösung in Kitas

Die Stadt hat den Kita-Ausbau für Unterdreijährige in den vergangenen Monaten massiv vorangetrieben. Für die kleinen Kinder sind genügend Plätze da. Die älteren Kinder haben das Nachsehen – für sie bleibt oft nur der Kita-Container.

Eigentlich sollte es beim Ausbau der Neusser Kindertagesstätten nur Gewinner geben: Die Zahl der Betreuungsplätze in den Kitas steigt, die langen Wartelisten können endlich abgebaut werden. Doch es gibt einen Haken: Von dem Kita-Ausbau profitieren vor allem die jüngeren Kinder. Eltern, die sich entscheiden, ihren Nachwuchs nach der "klassischen Variante", also erst ab einem Alter von drei Jahren im Kindergarten betreuen zu lassen, haben das Nachsehen.

"Uns bleibt dann nur noch die Betreuung im Container", kritisiert Astrid Schuh. Die Mutter zweier Kinder will ihre Tochter Sophie, derzeit zwei Jahre alt, ab dem kommenden Jahr in den Kindergarten geben. "Drei Jahre bleibt für mich das richtige Alter dafür, sagt Schuh, die es bei Sohn Julian, der mittlerweile in die Grundschule geht, genauso gehandhabt hat. Doch in der Neusser Nordstadt, wo die Familie lebt, haben die Kitas massiv die U3-Plätze ausgebaut, um ab diesem August verstärkt jüngere Kinder aufnehmen zu können. "Im kommenden Jahr ist dann für die Dreijährigen Kinder kein Platz mehr", kritisiert Astrid Schuh, die mit ihrem Ärger nicht alleine steht.

Die Problematik dieses Konkurrenzkampfs zwischen "groß und klein", über den die NGZ bereits im April berichtete, hat nun auch die Stadtverwaltung erreicht. Zwar betont der zuständige Sozialdezernent Stefan Hahn, dass die Kita-Container allen Standards für eine gute Betreuung entsprechen, keinesfalls sei es aber Wille der Stadt, dass die Eltern in die Zwangslage kommen, ihre Kinder schon in diesem Jahr in die Kita zu geben, nur um den vermeintlich "besseren" Platz zu ergattern. Oder – so überlegt es Mutter Astrid Schuh – sogar noch ein weiteres Jahr vom Beruf auszusetzen aus Angst, ihr Kind nicht adäquat betreut zu wissen. "Die Sorgen der Eltern sind bei uns angekommen", betont Hahn.

Hinzu kommt, dass es nicht nur die Eltern sind, die von den Kitas den Druck spüren, die nun geschaffenen U3-Plätze auch mit jüngeren Kindern belegen zu müssen. Auch die Tagesmütter sind von der Problematik betroffen. "Ich habe den Eindruck, dass vielen Eltern keine freie Entscheidung mehr möglich ist", sagt Tagesmutter Isabella Arzt. Sie betreut derzeit acht Kinder an wechselnden Tagen, mehrere davon werden sie vorzeitig verlassen, und einen der begehrten Kita-Plätze belegen, um 2014 nicht im Container zu "landen". Isabella Arzt berichtet von Tagesmüttern, die ab August ihre kompletten Gruppen verlieren – "da herrschen richtige Existenzängste", sagt Arzt. Sie warnt zudem vor dem Irrglauben, die Neusser Tagesmütter könnten sich nun ganz auf die Babys konzentrieren. "Das tut den Gruppen nicht gut", sagt Arzt. Denn im Optimalfall – so wird es auch in den Schulungen der Tagesmütter empfohlen – profitieren die Kinder im Alter von ein bis drei Jahren in der Tagesmutter-Gruppe voneinander.

Dezernent Hahn kann die Sorgen der Tagesmütter nachvollziehen, spricht aber auch von einer Marktsituation, in der Kita und Tagesmütter miteinander konkurrieren. Gleichzeitig wolle die Stadt die Tagesmütter aber weiter unterstützen: "Wir brauchen sie, weil der Betreuungsbedarf weiter steigt", sagt Hahn.

(NGZ)
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