Neuss: Elektro-Auto begeistert – trotz Hindernissen

Neuss : Elektro-Auto begeistert – trotz Hindernissen

Noch sieht man sie kaum, aber die ersten Elektro-Autos rollen bereits leise über die Straßen und überzeugen in Sachen Alltagstauglichkeit.

Noch sind sie Exoten im Neusser Stadtbild: Elektroautos, die mit Strom statt Benzin durch die Straßen rollen. Der Neusser Tim Dorsemagen nutzt so ein Auto derzeit — sein Nissan Leaf fährt sich gut, doch es mangelt an Ladestationen. Es gibt nämlich nur drei solche öffentliche Stationen in der Stadt.

Noch fehlt die Infrastruktur — und manchmal auch das Verständnis. So berichtet der Neusser von einem Bekannten, der von der Ladestation der Stadtwerke an der Moselstraße vertrieben worden sei. "Das Versehen eines Mitarbeiters", betont Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer. Dorsemagen hat ihn bereits beim Wort genommen — "mittlerweile tanke ich dort problemlos", sagt Dorsemagen, der sich an einer Test-Aktion des Autoherstellers Nissan beteiligte und daher den "Leaf" drei Monate günstig mieten konnte.

"Ich wollte einfach mal ausprobieren, wie sich so ein Fahrzeug fährt", erzählt der Autofahrer, der in der Praxis allerdings auf Hindernisse stieß. "Einfach ins Auto steigen geht nicht", sagt Dorsemagen. "Gerade bei längeren Strecken muss die Tour genau geplant werden." Doch mit ein bisschen Organisation klappen auch längere Strecken: Am Wochenende plant Dorsemagen eine Tour, die ihn bis ins holländische Zandvoort führen soll.

In Neuss gibt es drei öffentliche Ladestationen für Elektroautos. Neben den drei der Stadtwerke an der Moselstraße bietet die Firma 3M im Hammfeld und RWE an der Collingstraße diesen Service an.Bei den Stadtwerken kann man den Strom sogar kostenlos "tanken", einige andere Anbieter haben Abrechnungssysteme. Aber unverkennbar ist der Trend: Die Lademöglichkeiten nehmen deutlich zu — auch in Neuss.

Tim Dorsemagen ist vom Elektrofahrzeug begeistert: "Man hat ein ganz anderes Fahrgefühl. Der Wagen beschleunigt zügig und ist dabei sehr leise." Damit hat das mit Strom betriebene Fahrzeug gleich zwei Vorteile gegenüber den Verbrennungsmotoren: Die E-Mobile machen kaum Lärm und stinken nicht, da sie keine direkten Abgase produzieren. Damit die Umweltbilanz allerdings positiv ausfällt, sollten Elektroauto-Fahrer ihren Strom überwiegend aus erneuerbaren Energien beziehen.

Einen großen Nachteil gegenüber den konventionellen Autos hat das Elektro-Mobil durch die fehlende Reichweite und die lange Ladezeit, wenn der Akku leer gefahren ist. Tim Dorsemagen muss seinen Kleinwagen über Nacht an die Steckdose hängen, um morgens wieder fahren zu können. Das wird vor allem zum Problem, wenn eine längere Stecke zurückgelegt werden soll. "Ich bin bis in den Schwarzwald gefahren, mit ein wenig Planung ist das auch gut machbar," erklärt der Tester. Rund alle 80 Kilometer steuerte Dorsemagen eine Ladesäule an, und an den speziellen Säulen für Elektroautos geht das auftanken dann auch schneller als an der heimischen Steckdose.

Der Neusser ist vom Elektro-Auto überzeugt. Wenn er seinen Testwagen demnächst wieder abgibt, steht schon bald sein eigenes E-Mobil vor die Tür, er hat sich für den Renault Twizy entschieden, da sich das Elektro-Auto bewährt habe — vor allem bei kürzeren Strecken. Zwar sind die Anschaffungskosten für ein elektrisch betriebenes Auto teurer, aber dafür sind die laufenden Kosten wesentlich geringer. Vergleicht man die Stromkosten pro 100 Kilometer kommt der Kleinwagen, den Tim Dorsemagen derzeit fährt, auf einen Verbrauch von 2,5 Litern. Das ist auf Dauer günstig und leistet einen Beitrag zu einer positiven Umweltbilanz. "Elektro-Autos liegen im Trend", sagt Dorsemagen.

(NGZ/rl)
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