Neuss: Einzelhandel ist digital noch Mittelmaß

Neuss : Einzelhandel ist digital noch Mittelmaß

Die Händler in der Region müssen bei der Digitalisierung nachbessern. Das ist das Ergebnis des "Digital-Monitors zum stationären Handel am Niederrhein", den die IHK jetzt vorgelegt hat. IT-Sicherheit und Datenschutz sind Hürden.

Mehr als vier Milliarden Euro. So hoch ist der jährliche Umsatzzuwachs im Onlinehandel. Das zeigt der Online-Monitor 2017 des Handelsverbands Deutschland (HDE). Richtig spannend ist der Blick in die einzelnen Branchen: Mehr als die Hälfte des Onlineumsatzes entfällt auf Mode und Elektronikartikel, aber auch Nachzügler-Branchen - zum Beispiel aus den Bereichen Heimwerken, Garten und Einrichtung - legen mit großem Tempo zu. Die Digitalisierung ist mitnichten eine Herausforderung der Zukunft, sondern der Gegenwart. Und vor diesem Hintergrund wirkt das Ergebnis des "Digital-Monitors zum stationären Handel am Niederrhein", den die IHK jetzt in Zusammenarbeit mit der Kölner result GmbH erstellt hat, durchaus verwunderlich. Denn so richtig angekommen scheint die Digitalisierung noch nicht. "Es hat sich gezeigt, dass viele Einzelhändler auf diesem Gebiet noch großen Nachholbedarf haben", sagt Andree Haack, Geschäftsführer des IHK-Bereichs Existenzgründung und Unternehmensförderung. Sein Resümee: "Das Potenzial der Digitalisierung wurde immer noch nicht erkannt."

Wer die Zukunft verschläft, riskiert allerdings, dass die Zukunft ohne ihn stattfindet. Die IHK-Studie, für die 182 Unternehmen befragt und die Onlineaktivitäten von 904 Einzelhändlern analysiert wurden, zeigt, dass fast die Hälfte (49 Prozent) der Händler im IHK-Bezirk keine eigene Internetseite hat - oder sie so gut versteckt ist, dass Nutzer sie bei der Google-Sucher schlicht nicht finden. Von der anderen Hälfte geben lediglich 60 Prozent Öffnungszeiten und nur 50 Prozent eine Anfahrtsskizze an. Tanja Neumann, IT-Referentin der IHK, findet das alarmierend. "Damit hat der Kunde noch nicht einmal die Möglichkeit, Basisinformationen zu erhalten", betont sie. Auch Hinweise auf das Sortiment oder Marken im Geschäft fehlen häufig - und lassen dadurch laut Neumann das heutige Kunden- und Nutzerverhalten außen vor. "Viele bereiten ihren Einkaufsbummel online vor", sagt sie.

Einen Online-Shop betreiben laut Studie lediglich 30 Prozent der stationären Händler. Und großes Wachstum ist dabei nicht zu erwarten. "Nur jeder siebte Händler plant, in Zukunft auch online zu verkaufen", sagt Neumann. Das hat allerdings Gründe, die die Studie aufzeigt. Viele Händler nennen mangelnde Zeitressourcen, zudem sind die Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz vielen unklar. Der Informations- und Schulungsbedarf auf diesem Gebiet ist groß.

Im Gegensatz zur eigenen Internetseite oder dem eigenen Online-Shop sind soziale Netzwerke für die Händler längst ein Instrument, um mit Kunden in Kontakt zu kommen. Für Händler, die dort präsent sind, ist Facebook das am häufigsten genutzte Netzwerk (98 Prozent), gefolgt von Instagram (21 Prozent) und Twitter (zwölf Prozent).

Die Digitalisierung an sich schätzen lediglich 18 Prozent der Einzelhändler als Bedrohung ein.

(abu)
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