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Aktiv im Sommer unterwegs: Einfach mal ohne Schuhe drauflos laufen

Aktiv im Sommer unterwegs : Einfach mal ohne Schuhe drauflos laufen

Er ist im Sommer ein Idyll, an dem man gleichzeitig etwas für die Füße tun kann: der Barfußpfad am Berghäuschensweg. Auf 17 verschiedenen Untergründen können Besucher ihre Trittfestigkeit testen – auf Muscheln, Kieseln, Rindenmulch oder Sand.

Er ist im Sommer ein Idyll, an dem man gleichzeitig etwas für die Füße tun kann: der Barfußpfad am Berghäuschensweg. Auf 17 verschiedenen Untergründen können Besucher ihre Trittfestigkeit testen — auf Muscheln, Kieseln, Rindenmulch oder Sand.

Tobias läuft durch den Porphyrsplitt als wäre er Gras. Kein schmerzverzerrtes Gesicht, keine vorsichtig und langsam aufgesetzten Füße. Dabei sind die kleinen Steine wirklich spitz und manch Erwachsener kapituliert regelmäßig vor diesem Untergrund auf dem Barfußpfad. Doch Tobias, der im Sommer in die Schule kommt, macht das nichts aus. Gemeinsam mit den anderen Kindern der Offenen Ganztagsschule der Gebrüder-Grimm-Grundschule Erfttal flitzt er beim Ausflug mit dem Ferienprogramm über den Neusser Barfußpfad. Die sechs Kinder kennen sich gut aus: "Wir waren schon ein paar Mal mit der Schule hier", sagt Leon, der nach den Ferien die dritte Klasse besucht.

Und so haben die Grundschüler keinerlei Berührungsängste mit den 17 verschiedenen Untergründen, die auf den Feldern des Barfußpfades auf sie warten. Durch Sand wird locker gejoggt und auch die großen, runden Kieselsteine sind kein Problem für die Mädchen und Jungen. Einen ersten Halt gibt es am Feld mit den Muschelstückchen. Die sind schon etwas gemeiner, piksen in die Füße. "Die sind ganz schön spitz", sagt Kien Phong. "Geh ein bisschen auf dem Gras und gönn deinen Füßen eine Pause", sagt Diplom-Pädagogin Monika Herbst von der Offenen Ganztagsschule.

Am nächsten Feld ist Leonie, die bald in die zweite Klasse geht, überrascht: "Die Steine sind ja ganz warm", sagt sie, während sie über große, flache Kiesel balanciert. "Überleg mal, wieso das so ist", regt Monika Herbst an. "Die Steine speichern die Wärme der Sonne." Der Barfußpfad biete den Kindern mal eine andere Sinneserfahrung, sagt die Pädagogin. "Das möchten wir bei unserem Ferienprogramm, aber auch in der Schule, fördern." Deswegen waren die Kinder gemeinsam mit Monika Herbst und Erzieherin Susanne Zdebel in den vergangenen Wochen auch schon öfter Schwimmen, damit sie unter Aufsicht ihre Erfahrungen mit dem Element Wasser machen können. Auch im Wildpark waren sie schon, im Irrland und es gab ein Kochduell.

Wie idyllisch es auf dem Barfußpfad-Gelände eigentlich ist, das nehmen eher die Älteren wahr. Bäume, die einst von jungen Brautpaaren gepflanzt wurden und heute eine ordentliche Größe erreicht haben, spenden viel Schatten. Die Erft fließt ganz in der Nähe. Der Neusser Verkehrsverein hatte den Pfad im Jahr 2003 eröffnet — damit wieder mehr Menschen barfußlaufen, so wie es eigentlich natürlich ist. Denn barfuß zu laufen, ist Erholung für die Füße, aber auch für die Seele. Man entspannt in der Natur, das Barfußlaufen kräftigt Muskeln und Gelenke, fördert die Durchblutung, regt das Herz-Kreislaufsystem an und stärkt das Immunsystem.

Die Untergründe, ob Mulch, verschiedene Kiesel und Splitte, können sich von Saison zu Saison ändern. Welche Untergründe sich für den Barfußpfad eignen, bespricht der Verkehrsverein mit einem Garten- und Landschaftsarchitekten — und holt sich Anregungen von anderen Barfußpfaden in ganz Deutschland. Damit der Pfad gepflegt bleibt, schaut jede Woche ein Vorstandsmitglied des Verkehrsvereins nach dem Rechten. Am letzten Feld, das mit dunklem Basaltsplitt gefüllt ist, zieht Leon Bilanz: "Der Sand ist das leichteste, und die Kieselsteine sind auch gut zum Drüberlaufen. Aber der Splitt hier, der ist klein und spitz, das ist wirklich fies. Und richtig schwer sind die Muscheln."

(NGZ)