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Neuss: Eine "Schnapsidee" wird zum Erfolg

Neuss : Eine "Schnapsidee" wird zum Erfolg

Vor vier Jahren haben Nora Wisbert, Anna Diana Mehdorn und Nicole Barendt-Ley den Wodka-Karamell-Likör "Kawoli" entwickelt. Zum Schützenfest rechnen die drei Unternehmerinnen nun mit 15 000 verkauften Flaschen.

Wer gestern schon auf die Kirmes gegangen ist, der muss es gesehen haben: den Kawoli. So heißt der mittlerweile gar nicht mehr so geheime Geheimtipp unter den Neusser Lokalgetränken. In diesem Jahr wird für ihn kräftig die Werbetrommel gerührt. Eine als Vogel verkleidete Dame tanzt bunt illuminiert in einem großen Käfig, der auf der Kreuzung zwischen Brückstraße und Hammer Landstraße steht.

Der stilisierte Vogel ist das Logo von Kawoli. So heißt der Wodka-Karamell-Likör, den Nora Wisbert (35), Anna Diana Mehdorn (34) und Nicole Barendt-Ley (35) vor vier Jahren entwickelt haben. Im Spanienurlaub tranken sie ein ähnliches Getränk und stellten fest, dass es so etwas in Deutschland nicht zu kaufen gibt. "Da wollten wir das einfach mal ausprobieren", erinnert sich Nora Wisbert. Zumal eine mitgebrachte Flasche auch bei Freundinnen der Drei gut ankam.

Mit einer Brennerei in Brandenburg entwickelten sie das Rezept. Drei Monate dauerte das. "Mal war der Schnaps zu süß, mal zu herb, mal zu viel karamell, mal zu wenig", erinnert sich Anna Mehdorn. Als das Ergebnis stimmt, bestellen die drei Unternehmerinnen einfach 2000 kleine Fläschchen auf gut Glück. Und tatsächlich klappt es. Zunächst haben sie ihr Produkt auf Partys immer in den Handtaschen dabei. Der Durchbruch gelingt schließlich an Schützenfest 2010. 1500 Flaschen mit je zwei Centiliter werden über die Festtage verkauft. "Bis heute ist das Schützenfest auch der wichtigste Termin für uns im Jahr", sagt Nora Wisbert.

Daher auch die große Marketing-Aktion in diesem Jahr. Den Umsatz soll das weiter steigern. Immerhin um das 20-fache soll der sich innerhalb der ersten vier Jahre vermehrt haben. Neben dem Schützenfest steht Kawoli auch bei Karneval, lokalen Events und in Neusser Kneipen mittlerweile hoch im Kurs.

Selbst in eine Berliner Kneipe ist das Neusser Getränk schon vorgestoßen. In der "Affenhütte" im Berliner Stadtteil Kreuzberg steht der Karamell-Likör auf der Karte. Etwa einmal im Monat muss der Wirt nachbestellen.

Den Vertrieb organisieren Wisbert, Mehdron und Barendt-Ley noch nebenberuflich. Sie sind dafür das perfekte Team. Als gelernte Steuerfachangestellte (Finanzen), Mediengestalterin (Marketing) und Angestellte einer Versicherung (Vertrieb) ist jede gut ausgebildet, um eine Aufgabe zu übernehmen. Immerhin müssen sie mittlerweile die Etiketten nicht mehr selbst auf die Flaschen kleben. Das leistet nun die Etikettiermaschine der neuen Brennerei in Wanne-Eickel.

Und die drei Unternehmerinnen nehmen größere Ziele ins Visier: "Wir wollen uns langsam von Neuss ausdehnen", sagt Wisbert. Auch in noch mehr Neusser Kneipen wollen sie sich etablieren. Als Vergleich nennt Wisbert den Kräuterlikör Killepitsch: "Den gab es zu Anfang auch nur in Düsseldorf. Heute wird er weltweit in 14 Länder exportiert." Glücklich macht es die Drei aber schon, wenn jemand neben ihnen am Tresen Kawoli bestellt.

(JaHu)