Neuss: Eine Neusserin für Amerika

Neuss: Eine Neusserin für Amerika

Wie sehr Politik fesseln kann, hat sie von ihrem Vater Heinz Günther gelernt. Hanni Hüsch spürt der Faszination Politik aber als Journalistin nach. Jetzt verlängerte sie ihren Vertrag als Leiterin des ARD-Studios in Washington.

Schützenfest rockt sie. Dann lässt sich Hanni Hüsch von Hermann Gröhe gern auf die Tanzfläche bitten. Mindestens einmal im Jahr, nämlich Ende August, wird Neuss zu einem Gefühl. Dieses Erlebnis teilen dann die USA-Korrespondentin und der heutige CDU-Generalsekretär mit den Neussern und ihren Gästen. Wer im Schatten von St. Quirin aufgewachsen ist, der kehrt immer wieder an seine Neusser Wurzeln zurück. Zumindest an den "Tagen der Wonne": "Aus der Ferne lernt man zu schätzen, was man aus der Nähe nicht sieht."

Gröhe ist für sie Kür. Obama ist Pflicht, aber eine berufliche Pflicht, der Hanni Hüsch mit Lust und Laune nachkommt. Mit dem US-Präsidenten jettet sie um die Welt: China, Korea, Saudi-Arabien, Dresden, Nato-Gipfel — Hüsch gehört oft zum Journalisten-Tross, der ihn begleitet. Die Neusserin berichtet für Deutschland, wenn die Staatenlenker Politik für die Welt gestalten. Dabei geht ihr Blick über die reine "Machtpolitik" hinaus. "Der politische Journalismus ist nicht mein Lebenselixier", hat sie einmal gesagt, "ich möchte vor allem Geschichten erzählen, möchte Emotionen übermitteln."

Diese Gelegenheiten sucht sie. Wenn möglich, geht sie auf Reisen: "Amerika ist nicht Washington oder New York. Amerika , das ist der mittlere Westen." Sie wird weiter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf Geschichtensuche sein. Soeben hat sie ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert. Über die Chance, noch mehr von Land und Leuten zu erfahren, freut sie sich.

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Am 1. Juli 2008 trat die Neusser Politiker-Tochter ihre Aufgabe als Leiterin des ARD-Studios in Washington an. Die Namen ihrer Vorgänger lesen sich wie ein Who ist Who des deutschen Fernsehjournalismus: Thilo Koch, Fritz Pleitgen, Werner Sonne, Claus Kleber oder auch Tom Buhrow. Doch TV-Glitter und Glamour sind nicht ihre Welt. Sie sagt lieber Sätze wie: "Neuss ist für mich Erdung" oder "Ich bin dankbar eine so tolle Familie zu haben."

In Neuss wurde Hanni Hüsch vor fast 53 Jahren geboren. Ihr Vater ist Heinz Günther Hüsch (80), den sie in Neuss "Altmeister" rufen. Sie besuchte Rheintorschule und Marienberg und hatte schon früh den Wunsch, Journalistin zu werden. Sie war freie Mitarbeiterin der Neuß-Grevenbroicher Zeitung und der Rheinischen Post und volontierte schließlich beim NDR Fernsehen — ihrem Sender hält sie über 25 Jahre die Treue. Sie war Korrespondentin in London und in Berlin — jetzt in Washington.

Die US-Hauptstadt will sie nicht verlassen, ohne ein Exklusiv-Interview mit dem Präsidenten. Alle Anfragen wurden bisher abschlägig beschieden. Jetzt hofft sie auf den Herbst, wenn 20 Jahre Deutsche Einheit gefeiert wird, Barack Obama will zur Feier nach Deutschland fliegen: "Da könnte doch alles passen!" Fürs Obama-Interview würde Hanni Hüsch auch einmal auf das Schützenfest-Tänzchen mit Hermann Gröhe verzichten. Manches Mal ist Pflicht eben doch Kür.

(NGZ)
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