Neuss: Eine Kunst-Inszenierung

Neuss : Eine Kunst-Inszenierung

Die 64. Auflage der Jahresausstellung "Kunst aus Neuss" verknüpft Kunst mehrerer Generationen und die Arbeitsbereiche der Alten Post. Das macht die Schau zu einer hochspannenden Angelegenheit.

Wenn am Wochenende das vor der Alten Post stehende Auto von Künstlern neu bearbeitet wird, ist das mehr als eine nette Aktion zur Eröffnung der Jahresausstellung: Es ist ein beredtes Zeihen dafür, wie im Kulturforum eins ins andere greift, die eine Ausstellung in die nächste übergeht, sogar die Genres miteinander verwebt werden.

Denn das Auto als sich ständig veränderndes Kunstprojekt ist noch ein Überbleibsel der Schau "Urban Art", fügt sich aber nahtlos ein in "Kunst aus Neuss". Die wiederum im Innern des Hauses Bühnenbildteile der Theaterproduktion "Olgas Raum" wiederverwendet, die wiederum die Schau "Urban Art" auch genutzt hat ...

Die Jahresausstellung setzt damit den fulminanten Schlusspunkt einer kongenialen Verbindung der beiden namensgebenden (Schul-)Säulen der Alten Post: Kunst und Theater. Mit der 64. Auflage der Schau und der zweiten von ihm kuratierten hat Klaus Richter (der den Bereich bildende Kunst der Alten Post verantwortet) ein spannendes Neben- und Miteinander von jungen und älteren Künstlern regelrecht inszeniert.

Das macht den Besuch zu einer überaus spannenden Angelegenheit. Denn deutlich sichtbar und vor allem sehr überzeugend ist es Richter gelungen, zu zeigen, wofür er angetreten ist: Alt und Neu zu mischen. Da muss sich keiner hinter dem anderen verstecken, bestehen die großformatigen Aquatintaradierungen "Zyklus Papaver" von Walter Urbach (86) problemlos neben der vor Farbe und Plastizität fast platzen zu scheinenden Malerei von Simon Evertz (23).

Zweifellos profitiert die Jahresausstellung vom großen Erfolg der "Urban-Art"-Schau, die Graffiti- und Street-Art-Künstler ins Haus holte und mit ihrem Riesenerfolg auch den Mut von Klaus Richter belohnte, die Alte Post mal so richtig auf den Kopf stellen zu lassen.

Kein Wunder also, dass er selbst die erste von ihm kuratierte "Kunst aus Neuss" im Nachhinein als "eher gediegen und seriös" bezeichnet und die aktuelle wie folgt charakterisiert: "Es sind einige verrückte Dinge dabei." Stimmt. Die Fahrräder von Axel Nass zum Beispiel. Geboren aus der Idee, Räder im Stadtgebiet als Werbeträger für die Alte Post zu postieren, aber daraus wurde nichts, so dass Nass aus ihnen Kunstobjekte machte: mal mit Schläuchen verfremdet, mal mit einem Schafskopf verziert.

Richter sieht seine Arbeit in der Tradition der "Dreifelderwirtschaft" (inspiriert von Wilhelm Mundts gleichnamiger Arbeit): Man muss den Boden fruchtbar halten. Und so passen die geradezu altmeisterlich gemalten Bilder von Rüdiger Hempel in einen Raum mit den modernen Schicht-Arbeiten des Fotografen Johannes Post; zeigen andere Beispiele, dass auch längst bekannt geglaubte Künstler immer wieder mit Ungewohntem verblüffen können — wie Ada Blochwitz mit zarten Landschaftseindrücken.

43 Künstler zeigen "Kunst aus Neuss" — das sind 43 Entdeckungen.

Info Neustraße 28, Eröffnung, Sonntag, 4. Dezember, 11.30 Uhr, bis 8. Januar

(NGZ)
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