1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Eine Künstlerin mit schrägem Humor

Neuss : Eine Künstlerin mit schrägem Humor

Für Gisela Osenberg ist jeden Tag Halloween, denn sie liebt das Schräge und Verrückte. Bekannt ist die Neusserin für ihre gruseligen Köpfe, die sie mit viel Humor modelliert. Ein Besuch bei einer Künstlerin, die sich vor fast gar nicht fürchtet – außer vielleicht vor langweiliger Normalität.

Für Gisela Osenberg ist jeden Tag Halloween, denn sie liebt das Schräge und Verrückte. Bekannt ist die Neusserin für ihre gruseligen Köpfe, die sie mit viel Humor modelliert. Ein Besuch bei einer Künstlerin, die sich vor fast gar nicht fürchtet — außer vielleicht vor langweiliger Normalität.

Foto: Berns, Lothar

Es ist eine eigene kleine Welt, die Gisela Osenberg in ihrem Atelier geschaffen hat. Gruselige Masken hängen an den Wänden, auf Regalen stehen Tonfiguren mit großen goldenen Augen, die in den Himmel blicken. Überall hat Osenberg Regale aufgestellt, um ihre Kunst, aber auch skurrile Sammlerstücke unterzubringen. Der Weg zum Arbeitstisch der 71-Jährigen windet sich entlang von Schaufensterpuppen, bunten Objekten und Bastelmaterial. "Ich brauche das Durcheinander, um kreativ sein zu können", sagt Osenberg, die vor allem aus Ton modelliert, aber auch fotografiert und zeichnet.

Foto: Berns, Lothar

"Ich finde das nicht gruselig"

Zu ihren liebsten schrägen Köpfen, mit denen sie ihr Atelier dekoriert hat, gehört "der arme Kranke". Eine gläserne Kanüle hat ihm der Arzt durch den Kopf gejagt, er hängt am Tropf und dennoch lächelt die Figur aus Ton. Direkt daneben wächst ein weiblicher Kopf aus einem Bett aus Würstchen, statt Hut trägt die Figur einen Senftopf-Deckel. "Für mich sind meine Werke nicht gruselig", sagt Osenberg, die mit ihrer Arbeit eher versucht, ihren eigenen, speziellen Humor in die Figuren zu legen. Die Autodidaktin, die sich nach dem Erwachsenwerden ihrer zwei Kinder den Wunsch erfüllte, für die Kunst zu leben, ist ein Mensch, für den Lachen sein Lebenselixier ist. Wenn sie durch ihr Atelier führt, erzählt sie zu jedem kleinen Stück lustige Anekdoten, jedes hat seine eigene Geschichte.

"Das Ernstsein habe ich mir abgewöhnt", sagt Osenberg, während sie einen selbstgestalteten Stoffhut überzieht, den eine übergroße Schlange ziert. Individuell möchte die 71-Jährige sein. Wenn andere sagen, "die ist nicht normal", sieht sie das als Kompliment. Dagegen, älter zu werden, will sie sich nicht wehren. "Wohl aber dagegen, vor mich hin zu dämmern", sagt Osenberg. Ständig ist sie in ihrem Atelier, nebenher arbeitet sie als Selbstständige im grafischen Bereich.

"Langeweile kenne ich nicht", sagt die Künstlerin, die auf ihre Arbeit unterschiedliche Resonanz bekommt. Ihre Erfahrung der vergangenen Jahre: "Entweder es gefällt ungemein, oder es ist das genaue Gegenteil." Oft sehen Menschen ihre Plastiken, wünschen sich eine Führung, wollen wissen, wer hinter den verrückten Ideen aus dem Schaufenster steckt. Wichtig ist Gisela Osenberg, nicht abhängig zu sein von den Meinungen anderer. "Ich will meine eigene Kunst machen, genauso wie ich mein eigenes Leben leben will", sagt Osenberg. Sie will nicht davon lassen, Werke zu schaffen, die abseits der Norm sind, die verstören, zum Nachdenken anregen oder Menschen zum Lachen bringen. Deswegen sind ihre schrägen Köpfe das ganze Jahr zu sehen — und nicht nur an Halloween.

Halloween-Party im Rhein-Kreis-Neuss: Hier wird am 31.10. gefeiert

(NGZ/rl)