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Neuss: Eine Künstlerfreundschaft

Neuss : Eine Künstlerfreundschaft

Zum 150. Geburtstag des Bildhauers Aristide Maillol zeigt das Clemens-Sels-Museum eine beeindruckende Ausstellung. 67 Exponate bespiegeln die Künstlerfreundschaft, die Maillol mit dem Maler Maurice Denis verband.

"Einer meiner größten Wünsche ist in Erfüllung gegangen: unsere Freundschaft, unser künstlerischer Bund." Das schrieb der Bildhauer Aristide Maillol (1861-1944) im Jahr 1905 an den Maler Maurice Denis (1870-1943), den er ein knappes Jahrzehnt zuvor durch seine Begegnung mit der Künstlergruppe "Nabis" kennengelernt hatte. Zum 150. Geburtstag Maillols widmet das Clemens-Sels-Museum der "fraternité artistique" der beiden französischen Künstler eine gründlich recherchierte und vielschichtige Ausstellung.

Kulturdezernentin Christiane Zangs hatte die Präsentation noch nicht gesehen, weil sie in Hamburg gewesen war, um für die Stadt Neuss einen neuen Steinway-Flügel zu kaufen. Erst als sie auf dem Rückflug den Ausstellungskatalog las, wurde ihr erneut bewusst, wie viele der ausgestellten Werke zum Bestand des Museums gehören. Auch vom Katalog selbst, der neben einer detaillierten Führung durch die Schau auch einen Aufsatz von Denis über seinen Freund Maillol enthält, zeigte sie sich begeistert: "Der Katalog ist wunderbar zu lesen, wie ein Roman. Man versinkt in die Zeit um 1900. Es ist ein Meilenstein der Kunstgeschichte dieser Zeit!"

Auch Museumsdirektorin Uta Husmeier-Schirlitz äußerte sich enthusiastisch über die Arbeit von Kuratorin Bettina Zeman: "Ich bin mit solchen Begriffen sonst sehr vorsichtig, aber die Ausstellung ist eine echte Sensation. Die Freundschaft zwischen Maillol und Denis wurde noch nie thematisiert, und der Katalog ist die erste wissenschaftliche Publikation zu diesem Thema." Große Häuser wie die Neue Pinakothek in München, die Nationalgalerie Berlin oder das Städel Museum, Frankfurt, vertrauten dem Clemens-Sels-Museum, das als einziges Museum bundesweit den 150. Geburtstag Maillols mit einer Ausstellung feiert, Leihgaben aus ihren Beständen an.

Neben der lebensgroßen Bronze "Pomona", der bedeutendsten Aktfigur Maillols, ist in der Schau auch Seltenes zu sehen, wie der "Radfahrer", neben dem "Boxer" der einzige männliche Akt, von Maillol im Auftrag Harry Graf Kesslers geschaffen. Ein Foto zeigt Kesslers Salon in Weimar, in dem die Skulptur neben einem Gemälde von Denis platziert war. Bei Recherchen, auch bei den Nachfahren von Denis, kamen Dinge zum Vorschein, die zuvor noch nie öffentlich gezeigt wurden, etwa Denis' Selbstporträt mit einer Büste Maillols. Ihm hat die Kuratorin jene Terrakottabüste zugesellt, die auf dem Gemälde zu sehen ist, ferner ein Foto, das Maurice Denis aufgenommen hat und das zeigt, wie seine Frau Marthe für Maillol posiert. So spiegeln die Exponate die Künstlerfreundschaft aus verschiedenen Blickwinkeln.

"Glückliches Ereignis" hatte Goethe seinen Bund mit Schiller genannt. Die Freundschaft zwischen Maillol und Denis war für beide – das macht die Ausstellung deutlich – genau das: ein "glückliches Ereignis".

(NGZ)