Einbruch in Neuss: Diebe stehlen Erinnerungen an den toten Ehemann

Einbruch in Neuss: Diebe nehmen Erinnerungen an den toten Ehemann mit

Saskia K. (37) aus Neuss verlor im Jahr 2017 ihren Mann Rudolph. Was ihr und den gemeinsamen zwei Kindern blieb, waren Briefe, die er vor seinem Tod verfasste. Diese und weitere Erinnerungsstücke wurden nun gestohlen.

Eigentlich waren diese liebevoll geschriebenen Briefe für ganz besondere Anlässe verfasst worden. Für den Moment, in dem Finn (10) und Leni (7) ihre 18. Geburtstage feiern. Auch Zeilen für den Tag, an dem Leni ihrem Traummann das Ja-Wort gibt, brachte Rudolph zu Papier. Denn zu diesem Zeitpunkt wusste der Neusser, dass er all diese Momente nicht miterleben wird. Im Jahr 2017 verlor er in einem Hospiz im Alter von nur 45 Jahren den Kampf gegen den Darmkrebs. Finn und Leni werden die Worte ihres Vaters wohl nie lesen können – denn die Familie wurde ihrer wertvollen Erinnerungsstücke beraubt. Was war passiert?

Es ist der Abend des 8. März. Saskia K. kommt um 19.45 Uhr mit ihrem Sohn von einem Schachturnier zurück. Nur zwei Stunden zuvor hatten sie ihr Zuhause an der Windthorststraße verlassen. Dann der Schock: Unbekannte hatten sich über ein Fenster im Gästezimmer Zugang zu dem Haus verschafft und fast jeden Raum durchwühlt. Wirklich fündig wurden die Täter allerdings erst im Keller. Dort verwahrte Saskia K. nämlich all ihre Wertgegenstände in einem Safe. Da es den Einbrechern nicht gelang, den Tresor zu öffnen, rissen sie ihn aus der Wand und nahmen ihn mit – und damit auch das Wertvollste, das die 37-Jährige und ihre zwei Kinder besitzen. Denn nicht nur die drei Briefe ihres Ehemannes beziehungsweise Vaters befanden sich in jenem Safe, sondern auch ein Tagebuch, das Rudolph während seines Kampfes gegen den Krebs schrieb. Als er nicht mehr in der Lage war, selbst den Stift zu führen, schrieb seine Frau für ihn die letzten 70 Seiten. Insgesamt drei Jahre sollte sein Kampf dauern. Mit unzähligen Chemotherapien und sieben Operationen. Neben einem USB-Stick mit Kopien von den Briefen und zahlreichen Erinnerungsfotos bewahrte Saskia K. unter anderem auch Erb-Schmuckstücke ihrer verstorbenen Großmutter auf. Auch daran hängen wertvolle Erinnerungen. Zum Beispiel an dem gestohlenen Turmalin, der mit Brillanten umfasst ist. „Ich habe Weihnachtsfotos, auf denen mich meine Oma als kleines Kind füttert – dabei trägt sie diesen Ring“, sagt die 37-Jährige.

Die Polizei ging am 11. März mit der Meldung über den Einbruch an die Öffentlichkeit und informierte zeitgleich über einen weiteren Einbruch, der sich nur einen Tag später ebenfalls an der Windthorstraße zugetragen hat. Wie Polizeisprecherin Daniela Dässel auf Nachfrage mitteilte, leiden Einbruchsopfer oft nicht an den materiellen Schäden, sondern an dem Verlust von Dingen mit persönlichem Wert. „Diese sind eben nicht zu ersetzen“, sagt Dässel. Hinzu komme die psychische Belastung durch die Tatsache, dass fremde Personen in die eigene Privatsphäre eingedrungen sind. „Bei vielen Opfern ist eine Art Ekel festzustellen“, sagt die Polizeisprecherin. Hilfe finden die Betroffenen unter anderem beim Opferschutz der Polizei, der die Situation sondiert und die Möglichkeit hat, Kontakte zu Hilfsorganisationen beziehungsweise Psychologen herzustellen. Darüber hinaus betreibe auch der Bezirksdienst eine sogenannte Opfer-Nachsorge.

Allein auf die Hilfe der Behörden möchte sich Saskia K. aber nicht verlassen: „Ich bin keine Person, die sich bestehlen lässt und drei Monate wartet, bis sie ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft bekommt, dass das Verfahren eingestellt wurde.“ Im Internet richtete die 37-Jährige deshalb einen Appell, dass die Menschen ihre Augen offen halten sollen. „Vielleicht findet ja jemand etwas in einer öffentlichen Mülltonne“, sagt die Neusserin, die über jeden Hinweis dankbar ist. Ihr Aufruf bei Facebook ging binnen kurzer Zeit viral und wurde knapp 700 Mal geteilt.

Ein kleiner Funken Hoffnung glimmt also noch, dass Finn und Leni eines Tages doch noch die Worte ihres Vaters lesen können, der viel zu früh von ihnen gehen musste.

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