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Neuss: Ein wahres "Fest" für Jazz-Liebhaber

Neuss : Ein wahres "Fest" für Jazz-Liebhaber

Die "BlueInGreen"-Reihe in der Alten Post bot eine perfekte Mischung aus Spannung und Entspannung.

Das letzte Konzert der "BlueInGreen"-Reihe, Jazz in der Alten Post, war als Doppelkonzert für die Besucher ein wahres Fest – sowohl für lyrische Romantiker als auch Freunde bestechend perfekter Percussions.

Die erste Konzerthälfte bestritt das two/one-Duo. Benjamin Leuschner (Marimba) und Matthias Goebel (Vibrafon) begeisterten die Zuhörer mit einer schwungvollen Performance, die sich als Crossover-Mischung aus klassischer Schlagwerkmusik und Jazz-Elementen entpuppte. Matthias Goebel, der etliche Songs komponierte, nennt das "stilistisches Esperanto". Von ihm stammte auch das erste Stück, "Stratford Road", das ihn an seine New Yorker Zeit erinnert. "Hier sind mir die Ohren geöffnet worden."

Die beiden 1978 geborenen Musiker repräsentieren zwei individuelle Welten und mussten sich – man ahnt es – in dieser kleinstmöglichen Duo-Besetzung zusammenraufen. Benjamin Leuschner kommt von der Improvisation, Rhythmus hat für ihn Priorität.

Matthias Goebel ist der Melodiker, der jazzbasierte Harmonik beherrscht. Längst bilden sie aber ein perfekt eingespieltes Team, Melodie und Rhythmus gehen eine glänzende Synthese ein.

Dabei sind die beiden Instrumente besonders geeignet, zur Percussion ausführliche Melodien zu pflegen. "Armando's Rhumba" von Chick Corea mochte man am liebsten mitsummen. Lyrisch-elegisch zelebrieren sie den Jazzklassiker "Mediterranean Sundance". Dass die beiden Schlagzeuger aber auch die Drums beherrschen, zeigte die etwas lang geratene Studie "Cadance" von David Pape. Das perfekte Zusammenspiel war trotzdem exklusiv.

Ausnahmslos Kompositionen von Matthias Goebel gab es in der zweiten Konzerthälfte mit seinem Quartett. Seine Songs sind Balladen, weitgehend auskomponiert, und lassen relativ bescheidenen Raum für freies Spiel. Den aber nutzten die Top-Mitspieler seines Quartetts auf faszinierende Art. André Nendza eröffnet "Sunday breakfast" mit virtuosem Double Bass. Unübertroffen: der Dialog zwischen Vibrafon und Gitarre (Philipp van Endert). Lediglich der glänzend die Drums spielende Yonga Sun hielt sich bei improvisatorischen Exkursen ein wenig bedeckt.

Matthias Goebels Kompositionen sind Klanglandschaften, Jazz-geprägt, oft mit Pop-Elementen gemischt. Sein "The whole nine yards" zielt gekonnt auf die Emotionen seiner Zuhörer. Die Soli brachen in neue Sphären auf, das empfindet man vor allem bei Philipp van Enderts verblüffenden Sound-Variationen.

Das seit Jahren eingespielte Matthias Goebel Quartett setzte einen begeisternden "BlueInGreen"-Schlusspunkt – mit einer perfekten Mischung zwischen Spannung und Entspannung.

(NGZ)