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Shakespeare Festival in Neuss: Ein Volksfest im Globe

Shakespeare Festival in Neuss : Ein Volksfest im Globe

Mit Dan Jammetts Inszenierung der "Comédie des Erreurs" (Komödie der Irrungen) wurde im Globe das 21. Shakespeare-Festival eröffnet. Nur fünf Schauspieler tragen das Stück.

Das Bier fließt in Strömen, Musik dröhnt immer wieder aus den Lautsprecher, die Lichtorgel flackert dazu in Rot, Gelb und Blau, und eine Diskokugel wirft Lichtstrahlen in den Raum. Es ist schließlich Volksfest, und die Menschen wollen feiern, Spaß haben, tanzen und trinken. Für Antipholus und seinen Diener Dromio aus Syrakus gibt es wohl kaum eine bessere Möglichkeit, sich im Feindesland Ephesus unauffällig unter die Menschen zu mischen. Dass das nicht klappen kann, können sie schließlich nicht ahnen. Denn in Ephesus gibt es schon einen Antipholus und einen Dromio — die beiden Zwilingsbrüder der Syrakuser, die nach einem Schiffsunglück dort gestrandet sind und sich niedergelassen haben.

Verwechslungen und absurde Situationen sind also programmiert in Shakespeares "Komödie der Irrungen", mit der am Wochenende das 21. Shakespeare-Festival eröffnet wurde. Und die gleich einen hohen Maßstab setzte. Denn für seine (französischsprachige) Inszenierung mit dem Théâtre Vidy aus Lausanne holt Regisseur Dan Jemmett aus der Komödie heraus, was möglich ist und konzentriert sich doch auf das Wesentliche. Nur fünf Schauspieler stehen auf der Bühne und spielen die zwölf wichtigsten Rollen. Dass die beiden Zwillingspaare Antipholus/Antipholus und Dromio/Dromio von jeweils einem Schauspieler verkörpert werden, ist dabei gewiss kein neuer Einfall. Aber wie David Ayala vor allem mit Mimik und Körperhaltung von einem Antipholus zum anderen wechselt — desgleichen Vincent Berger als beide Dromios —, das ist bestes Globe-Theater und zum Brüllen komisch. Selbst wer des Französischen nicht mächtig ist, dürfte keine Probleme zu haben, dem Geschehen zu folgen.

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Überhaupt geben alle Fünf (noch Thierry Bosc, Valérie Crouzet und Julie-Anne Roth) dem Affen ordentlich Zucker und machen aus ihren Rollen herrlich skurrile Figuren, die sich nahtlos in das bizarre Äußere der Inszenierung einfügen. Denn bühnenbeherrschend sind vier Dixi-Klos — auch mit artfremder Bestimmung als Gefängniszelle oder Wohnhaus —, deren Türen gerne mit Schmackes aufgestoßen und zugeschlagen werden. (Echter) Rasen liegt auf dem Boden, Unmengen von Plastikbecher landen mal in den, mal neben den Mülleimern.

Das Spiel der Darsteller, die Ausstattung, dazu noch die Einspielung diverser Pophits machen aus dieser "Comédie des Erreurs" ein funkensprühendes Bühnenerlebnis. Für das Jammett auch ein schönes Ende gefunden hat: Die Darsteller ziehen sekundenschnell die Requisiten ihrer Rollen an und aus, an und aus und tanzen entspannt zu Murry Heads "One Night in Bangkok".

(NGZ)