Neuss: Ein Verein für Agenda-Arbeit

Neuss : Ein Verein für Agenda-Arbeit

Städtische Sparbemühungen führen dazu, dass im Umweltamt frei gewordene Stellen nicht neu besetzt werden. Eine Geschäftsstelle für die Arbeit der Neuss Agenda 21 gibt es damit nicht mehr.

15 Jahre nach ihrer Gründung steht die Neuss Agenda 21 vor dem größten Wandel ihrer Geschichte. Die Arbeit der vier Bürgerforen, der Neusser Eine-Welt-Initiative (NEWI) sowie des Bundes für Umwelt und Natur (BUND) soll künftig durch einen noch zu gründenden Agenda-Verein koordiniert werden.

Bislang hatte das städtische Umweltamt diese Arbeit geleistet und überhaupt als Geschäftsstelle fungiert. Dazu sieht sich die Stadt nicht mehr in der Lage. Die Vereinsgründung nun ist der Versuch, die Struktur der Agenda-Arbeit insgesamt beizubehalten.

Richtig glücklich aber sind die in den Foren tätigen Neusser nicht. "Das kann auch in die Hose gehen", räumt Roland Kehl ein, Sprecher eines dieser Foren und Koordinator des Wandels.

Denn die Verantwortung ruht künftig allein auf den Schultern ehrenamtlich tätiger Bürger, zudem sind "die Foren nicht alle so dicke besetzt". 1996 hatte der Rat einstimmig beschlossen, den Zielen der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio 1992 beizutreten und ihre Umsetzung vor Ort auch langfristig umzusetzen.

Die Verleihung des Titels "Hauptstadt des fairen Handels" war ein Erfolg der Agenda-Arbeit, die seit dem Jahr 2000 dem Leitmotto folgt "Die Stadt Neuss will zukunftsfähig ins 21. Jahrhundert gehen". Im Vorlauf wurden 1998 vier Bürgerforen etabliert.

Das Forum Umwelt meldete sich zu Themen wie Umgestaltung der Erft oder Reduzierung der Feinstaubbelastung zu Wort, machte sich aber auch für Bürgersolaranlagen stark. Das Forum Lebensstile organisierte Regio-Märkte, versuchte, ein eigenes Umweltsiegel zu etablieren und arbeitet an einem Kochbuch "Neusser Speisekarte". Das Forum Stadtentwicklung wiederum entwickelte ein alternatives Stadtentwicklungskonzept, stieß aber auch die Neuordnung des Cremer-Tosetti-Areals an.

Zusammengefasst hat die Agenda-Arbeit in Neuss, so Kehl, nach Ansicht des Lenkungskreises, einen hohen Stellenwert. Kann das erhalten werden? Politischer Wille und Beschluss des Umweltausschusses ist nun, dass das Umweltamt die städtischen Projekte in der Eine-Welt-Arbeit weiter federführend betreibt, Ansprechpartner der Vereine und Foren bleibt und diese nach außen in anderen Foren wie etwa in der Arbeitsgemeinschaft Transfair vertritt.

Das Geld dazu kommt aus dem gleichen Topf, mit dem auch die Projekte der Foren, der NEWI und des BUND gefördert werden. Wer dabei wie viel bekommt, sollen die Mitglieder des Agenda-Vereins künftig untereinander klären. Kehl hofft, dass das partnerschaftlich und projektbezogen gelingt.

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