1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Ein stammelnder Spaßvogel

Neuss : Ein stammelnder Spaßvogel

Fiffi heißt die Mutter seines Kindes und der Hauskater Hektopascal. "Er hört aber auch auf Luftdruck", sagt Johann König mit gespielt ernster Miene, "das wäre dann aber nur was für die richtig Hellen unter euch." Der Comedian ist vor einem Jahr Vater geworden und liest in der ausverkauften Stadthalle – am Schluss der Veranstaltung – aus dem Tagebuch der jungen Familie vor. Wie Junior die Katze am Schwanz packt und sich mit dem Rollbrett durch die Wohnung ziehen lässt, wie er sie auf den Drehstuhl setzt, und die Katze nach minutenlangem Rotieren ins Regal torkelt. Immer aufgenommen mit Papas Camcorder.

Das ist lustig, was König da liest, und er hat es zu Beginn seiner Show auch genau so angekündigt: "Zum Ende wird es immer besser, aber irgendwie muss ich bis dahin die Zeit mit euch ja rumkriegen." Was dann folgte, waren zwei Stunden Spaß, so wie ihn die meisten Leute heutzutage am liebsten haben; so wie man es aus den einschlägigen und inflationären Auftritten bei meist privaten Fernsehsendern kennt. Da wird, nicht immer auf höchstem Niveau, herumgealbert, da werden haufenweise Banalitäten erzählt, die zu wiederholen schwer fällt.

Und die Zeit, so scheint es, will für König wirklich nicht rumgehen. Kurz nach acht schaut er schon das erste Mal auf die Uhr und meint: "Da habe ich mich wohl etwas verschätzt." Die Leute im Saal hat er schnell auf seiner Seite, man könnte fast den Eindruck bekommen, dass König das Publikum zum Programm macht.

"Total Bock auf Remmi Demmi" ist der Titel seines neuen Programms, doch wenn man den Abend erlebt, wird klar, dass dieser stammelnde Spaßvogel, der Wortfetzen aneinanderreiht und immer wieder Sprechpausen produziert, sich selbst damit eher nicht meint. Mit der Sprache spielen kann er tatsächlich sehr gut. Er erinnert streckenweise an Heinz Erhardt oder Werner Finck, beide begnadet im Umgang mit gehobenem Wortwitz.

Deren Klasse erreicht er nicht, wurde darum in der Vergangenheit auch fälschlicherweise schon zum unumstrittenen Star der Szene erklärt. "Kennt ihr das, wenn einem vom eigenen Gelaber ganz schlecht wird?" fragt er gegen Ende. Das könnte er sich sparen und außerdem: Ein gestrafftes Programm und dazu Gags leicht oberhalb der geschmacklichen Schmerzgrenze – das stünde Johann König noch besser.

(NGZ)