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Neuss: Ein Spaziergang mit "Prinz und Prinzessin"

Neuss : Ein Spaziergang mit "Prinz und Prinzessin"

Marc Halm ist der älteste Sohn von Schützenkönig Rainer II. Halm. Zusammen mit seiner Freundin Jill Müller erlebt er derzeit Tage zwischen Stress und Vorfreude auf das Schützenfest. Bei einem Spaziergang erzählen beide von ihren Eindrücken.

Das Neusser Schützenfest steht kurz vor der Tür, Endspurt sozusagen. Und das bedeutet Stress für das Königspaar und die Familie. Trotzdem haben der älteste Sohn von König Rainer II. Halm, Marc Halm (23) und seine Freundin Jill Müller (21) Zeit gefunden für ein Interview im Rosengarten.

Die beiden sind also quasi so etwas wie "Prinz und Prinzessin". Darüber, wie es ist wenn der Vater zum wichtigsten Mann der Stadt wird und darüber was Schützenfest für sie bedeutet, sprachen die beiden mit NGZ-Mitarbeiterin Merle Königs

Schön, dass Sie beide Zeit gefunden haben. Sie haben sicherlich eine Menge Stress und Termine momentan.

Marc Halm Ja, stimmt. Aber meine Eltern haben deutlich mehr Stress. Und seit fünf Minuten sind wir eigentlich zum Essen verabredet.

Sie beide sind ja sogar farblich aufeinander abgestimmt.

Jill Müller Natürlich, immer!

Setzen wir uns doch kurz auf die Parkbank.

Müller Nein, lieber nicht. Auf der Arbeit muss ich den ganzen Tag sitzen, ich bleib lieber stehen.
Halm Ich setze mich gerne. Als Koch muss ich den ganzen Tag stehen.
Müller Ich habe gerade, also vor drei Wochen, meine Ausbildung als Rechtsanwaltsfachgehilfin in Düsseldorf direkt am Carlsplatz angefangen.

Also alles auf einmal, Schützenfest und neue Ausbildung?

Müller Ja, aber ich habe zum Glück für die Kirmes frei bekommen. Mein Chef versteht das. Er ist selbst Neusser und im Neusser Komitee, also hat er volles Verständnis.

Also für Sie beide bedeutet es momentan dann Endspurt, oder?

Halm Ja, richtig. Es gibt da ein paar Termine, an denen ich oder wir dabei sind. Und alles Drumherum muss organisiert werden. Wir greifen meinen Eltern gerne unter die Arme.
Müller Wobei du eher für deinen Vater zuständig bist und ich eher für deine Mutter. Das wird dann aufgeteilt. Sie schreibt mir dann: "Kannst du mir vielleicht dies oder jenes besorgen?" Dann gehe ich noch mal schnell in die Stadt, zum Glück arbeite ich ja auch direkt da. So wie heute, da hab ich ihr noch mal schnell eine Strumpfhose besorgt. Ich muss aber sagen, dass sie eigentlich sehr gelassen ist. Sie macht das richtig gut. Also ich wäre schon total nervös, ich könnte gar nicht schlafen, aber Petra meistert das wunderbar!

Ist es jetzt sogar genauso stressig wie das Schützenfest selbst?

Müller Ja, die ganzen Vorbereitungen sind auf jeden Fall stressig.
Halm Noch stressiger! Jetzt muss alles organisiert werden. Wenn es dann einmal anfängt, dann läuft's von selbst. Aber jetzt gerade, das ist der finale Countdown.
Müller Und dann fehlen manchmal so Sachen wie Strumpfhose, Nagellack und Haarspray.
Halm Und ich hab keinen der mir die Hemden bügelt! Zwinkernd Meine Mama hat keine Zeit dieses Jahr.

Und wer macht das jetzt, Ihre Freundin oder Sie selbst?

Halm Nee!
Müller Meine Mutter. Marc wohnt sowieso mehr bei uns und dann macht meine Mutter das für ihn. Dass wir dort zusammen wohnen erleichtert die Organisation auf jeden Fall.

Was wird das Highlight dieses Jahr Schützenfest für Sie sein?

Müller Der Sonntag.
Halm Genau, auf jeden Fall. Die Königsparade!
Müller Also mein persönliches Highlight wird sein, auf der Tribüne zu sitzen und das ganze von oben zu sehen. Also das hatte ich ja auch noch nie, wir waren noch nie auf der Tribüne. Und dieses Jahr dann schick, mit Hut und allem.

Sie sind also wahrscheinlich schon seit langem vorbereitet? Hat Petra Halm Sie da beraten?

Müller Nein, die hatte genug Stress mit ihren eigenen Vorbereitungen. Das war eher noch andersrum. Das fing letztes Jahr nach der Krönung in der Stadthalle an und seit dem berate ich sie was die Kleider und das ganze Drumherum angeht. Und da ist jetzt natürlich schon alles organisiert, da müssen höchstens noch Kleinigkeiten besorgt werden. Sachen, die noch auf die Schnelle organisiert werden müssen- wie immer halt.

Und wie sieht es mit der Kirmes aus? Gehen Sie gerne?

Müller Ja, auf jeden Fall. Ich bin total der Kirmesmensch. Auf Karussel und Riesenrad und so etwas gehe ich auch gerne mal, aber vor allem mag ich die Kirmes an sich. Ich bin total verrückt danach. Egal, ob Grimlinghausen oder Neuss. Auf die Grimlinghausener konnte ich leider nicht, da musste ich arbeiten. Umso mehr freue ich mich jetzt auf die Neusser Kirmes!

Und Paradiesapfel und Schokobanane müssen dann auch sein?

Müller Ja, ich muss jedes mal für Marc eine Schokobanane kaufen. Ich mag lieber Schokoerdbeeren. Da kommen wir uns also nicht in die Quere. Wir essen zwar beide auch gerne eine Currywurst auf der Kirmes, aber eigentlich sind wir da mehr so für die süßen Sachen zu haben. Und auf der Kirmes muss man sowieso sündigen.

Können Sie beide sich vorstellen trotz dieses Stresses selbst einmal Schützenkönig und Königin zu werden?

Müller Prinzipiell auf jeden Fall. Aber das kann man heute nicht so genau sagen. Die Entscheidung würde ich fällen, wenn ich älter bin. Wenn dann alles passt, warum nicht?
Halm Ich würde gerne irgendwann einmal in Neuss Schützenkönig sein, wie mein Vater. Aber ich denke prinzipiell können wir uns das beide vorstellen. Und der Stress schreckt uns da nicht ab. Das ist natürlich positiver Stress, kein negativer Stress.
Müller Man weiß ja, wofür man es tut und das man es für etwas Tolles tut.
Halm Genau. Ich denke, meine Eltern werden dieses Jahr niemals vergessen. Das ist einem der Stress dann auch wert. Ich stehe voll dahinter und bin auch voll dabei. Ich bin genau wie mein Vater Schütze. Das ganze Jahr über, Mindestens 365 Tage im Jahr.

Herr Halm, worauf freuen Sie sich am meisten?

Halm Meine Favoriten sind Samstag Nachmittag auf dem Markt die Reveille, der Fackelzug und die Sonntagsparade. Und als krönenden Abschluss der große Zapfenstreich. Das sind meine Highlights.

Und was steuern Sie auf dem Kirmesplatz direkt an?

Halm Ich war seit fünf Jahren nicht mehr auf dem Kirmesplatz.
Müller Und was ist mit den Schokobananen?
Halm Stimmt, die esse ich für mein Leben gerne, aber ich schaffe es meist nicht bis dahin. Deswegen bringt mir Jill ja auch immer welche mit. Kirmes war ich schon wirklich lange nicht mehr. Vermisse ich auch nicht. Aber das ist gar nicht so ungewöhnlich, ich glaube die Schützen sind eigentlich am Wenigsten auf der Kirmes. Da ist ja die Festwiese und die verschiedensten Bälle, der Kirmesplatz spielt da nur eine Nebenrolle.

Haben Sie denn vor, auf einen Ball zu gehen?

Halm Meine Eltern werden jeden Ball besuchen. Wir werden nur auf den Grenadierball am Sonntag gehen. Es gibt so viele Bälle, für uns sind die im Festzelt am wichtigsten. Wir werden auf jeden Fall im Zelt sein. Für mich findet der Schützenzug im Zelt statt. Holzboden und Plastikdecke, ansonsten ist das für mich kein Schützenfest.

Was ist das Besondere am Neusser Schützenfest?

Müller Für mich ist das Tolle am Schützenfest, dass man die ganze Zeit mit dem Zug in der Gemeinschaft zusammen sitzt und eine Einheit bildet. Der Zusammenhalt ist für mich das Wichtigste und der ist in unserem Zug "Fetzige Nüsser" wirklich super.
Halm Genau.
Müller Mir ist es wichtig, dass beim Schützenfest nicht nur getrunken wird, sondern dass etwas dahinter steckt. Dabei geht es eben vor allem um Werte wie Zusammenhalt und Gemeinschaft.
Halm Man trinkt auf der Kirmes natürlich Alkohol, aber ich verbinde mit Schützenfest nicht: "Ich mache das nur, um Alkohol zu trinken", sondern Tradition und Spaß und eine schöne Zeit mit meiner Familie und Freunden. Es geht darum, Leute kennen zu lernen und Menschen zu sehen, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht. Wir sind eine große Familie, so sehe ich das. Und für mich spielt auch keine Rolle welcher Korps oder welcher Verein, wir sind alle Schützen und wir haben alle den gleichen Gedanken indem was wir tun und das finde ich ist das wichtigste. Ich finde es ärgerlich wenn wir Schützen darauf reduziert werden, nur zu trinken oder nur zu feiern.
Müller Wir können zwar gut feiern...
Halm ....aber wir feiern nicht nur. Wir sind nun mal eben auch rheinische Frohnaturen. Und da gehört das dazu.

Frau Müller, Ihr Vater ist auch Schütze?

Müller Ja genau, er war sogar Schützenkönig in Grimlinghausen. Schaut Marc an und lacht Wir sind also quasi eine Königsfamilie! Unsere Väter sind auch beide im gleichen Zug, unsere Eltern sind alle involviert. Wir sind wirklich eine große Familie. Und das schon über mehrere Generationen. Marc's Opa war auch mit dabei.
Halm Wenn man Schütze ist, dann wird man da hinein geboren. Das ist meistens so. Oder man hat Freunde, die auch im Schützenverein sind. So ganz von alleine werden glaube ich nur wenige Schützen.

Eine Kardinalfrage noch: Pils oder Alt?

Halm Alt!
MüllerPils! Aber am liebsten sogar Sekt. Aber wenn es nicht anders geht dann Pils.
Halm Ich trinke am liebsten Alt. Und nach Kölsch fragen wir mal nicht. Das können wir vergessen. Wir sind hier in Neuss, da trinkt man Alt.

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(jco)