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Neuss: Ein schlanker "Sommernachtstraum" aus Bremen

Neuss : Ein schlanker "Sommernachtstraum" aus Bremen

Die Bremer Shakespeare Company zeigt die bekannte Komödie beim Festival im Globe in einer modernen Fassung.

Jene Szene, von der alles weitere ausgeht, lässt Regisseur Benno Ifland an der Rampe, vor einem roten Vorhang, spielen. Und tatsächlich hat der Auftritt von Egeus, der sich beim Herzog Theseus über den Ungehorsam seiner Tochter Hermia beklagt, die einfach nicht den Mann heiraten will, den der Vater ihr zugedacht hat, in der Geschichte des "Sommernachtstraums" von William Shakespeare etwas von einem Prolog.

In der Fassung der Bremer Shakespeare Company, die sie im Globe zeigt, ist der Raum vor dem Vorhang denn auch der reale. Dahinter liegt der imaginäre — der Wald von Arden, in dem die Elfen um König Oberon und Königin Titania herrschen. Heike Neugebauer hat ihn jedoch recht karg ausgestattet. Nur ein großes Geäst hängt von der Decke herunter.

Doch was braucht es mehr als die Worte Shakespeare, um fortan Bilder zu beschwören, die zudem von den Schauspielern sehr farbenreich gezeichnet werden? In der sehr schlanken Fassung der Komödie — die Übersetzung von Jürgen Gosch/Angela Schanelec wurde noch von Wolfgang Wiens bearbeitet — überzeugen vor allem die beiden Liebespaare Hermia/Lysander und Helena/Demetrius.

Petra-Janina Schultz (Hermia) und Tim D. Lee (Lysander) sowie Theresa Rose (Helena) und Markus Seuß (Demetrius) spielen frisch und unkompliziert vier junge Menschen, die von der Liebe so erfüllt wie verwirrt sind. Das gute Ende nach all dem Hin und Her im Wald, als Lysander und Demetrius durch einen Zauber plötzlich beide Helena lieben, scheint sie zu überfordern. Dass Hermia über Lysanders Abkehr in schiere Verzweiflung gerät, zeigt Schultz sehr zwingend.

Das Gegenteil der romantischen, überschäumenden Liebe spiegelt sich in Herzogin Hippolyta. Sie steckt bei Ulrike Knospe zwar in einem biederen Pepita-Kostüm, aber in ihrer Mimik liegt das ganze Wissen über die Fährnisse der Liebe — was sie scheinbar milde macht. Aber ihr zukünftiger Mann Theseus — charmant-harmlos und bei Erik Roßbander in den besten Händen — dürfte sich noch wundern ...

Mehr Conferencier denn Zeremonienmeister ist Michael Meyer als Philostrat am Hofe Theseus' und als Puck, dem er einen wunderbar durchtriebenen und zynischen Charakter verleiht — das heimliche Zentrum der Inszenierung.

Die Handwerkertruppe um Peter Squenz und Zettel, den Puck in einen Esel verwandelt und der als solcher zum Liebesobjekt für Elfenkönigin Titania wird, ist immer ein Garant für große Lacher im Publikum. Zumal dann, wenn die typischen Eigenarten eines Esels so überzeugend wiedergegeben werden wie von Peter Lüchinger als Zettel.

Regisseur Ifland hat die Handwerker äußerlich wie sprachlich ebenso modernisiert wie die anderen Figuren. Der Squenz von Petra-Janina Schultz etwa ist mit trockener Berliner Schnauze ein Gewinn. Aufs Schwyzerdütsch bei Zettel (Lüchinger) könnte man jedoch verzichten. Nur in der Theatralik wird etwas arg dick aufgetragen — was bei dieser Truppe gar nicht nötig ist.

(NGZ/url)