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Neuss: Ein Sack Müll in zehn Minuten

Neuss : Ein Sack Müll in zehn Minuten

Um einen großen Müllsack zu füllen, braucht es in manchen Ecken der Stadt nicht lange. Nach nur zehn Minuten ist der Sack voll. Die NGZ startet eine Serie über den wilden Müll und ruft ihre Leser dazu auf, Dreckecken zu nennen.

Das Gewerbegebiet im Neusser Taubental ist eine Dreckecke. In den Büschen liegen Dosen, Flaschen und Zigarettenschachteln. Weiter hinten ranken Brombeeren auf dem unbebauten Grundstück, weiter vorn muss die Natur das aushalten, was die vorbeifahrenden Auto- und Lkw-Fahrer nicht mehr gebrauchen können. Abzulesen ist das an russischen Bierdosen, türkischen Wasserflaschen und deutschen Plastikdosen, in denen einst Kartoffelsalat aufbewahrt wurde.

Halbzeit nach fünf Minuten – der blaue Müllsack füllt sich. Foto: Woitschützke, Andreas

Die Anrainer ärgert das schon lange, etwa Gitta Jacoby, die eine Straße weiter ihr Bistro betreibt. "Vor allem am Wochenende werden die Straßen im Gewerbegebiet als Müllkippe missbraucht", erzählt die Gastronomin, seit Jahren gehe das so. Und nicht nur dort: Rund 2000 Einsätze wegen wilder Müllkippen hat die Neusser AWL jedes Jahr. "Die Zahl der Fälle ist konstant", sagt AWL-Sprecher Jürgen Scheer. Hinzu kommt das, was die Müllwerker an den Straßenrändern aufsammeln. Wie viel das ist, wird nicht einzeln aufgeführt, denn es landet auf den Autos, die die öffentlichen Mülltonnen leeren — 2470 Tonnen "Straßenkehricht" fielen im vergangenen Jahr an. Das weist die Abfallbilanz der AWL aus.

Mit der leeren Tüte gings los, und nach nur zehn Minuten war am Grünstreifen im Taubental schon wieder Schluss. So schnell ging es, bis NGZ-Redakteurin Hanna Koch ihren blauen Müllsack gut gefüllt hatte. Wilder Müll ist überall in Neuss ein Ärgernis. Die NGZ ruft ihre Leser dazu auf, Dreckecken zu melden. Foto: woi

Müll wird auch in den städtischen Parkanlagen gesammelt, zuständig dafür ist das Grünflächenamt, das sowohl durch Hecken und Büsche streift, als auch die Mülleimer leert. Knapp 200 Tonnen Abfall wurden dort im vergangenen Jahr gesammelt, sagt Rudolf Westermann, stellvertretender Leiter des Grünflächenamtes. Regelmäßig bekommen seine Mitarbeiter Hinweise aus der Bevölkerung, erzählt er. "Wir gehen dem nach."

Foto: Woitschützke, Andreas

Im NGZ-Experiment dauert es knapp zehn Minuten, bis der blaue Müllsack — er fasst 120 Liter — randvoll ist. Dafür war keine Eile nötig, nur ein paar robuste Handschuhe, um auch in Brennesselfeldern und dornigen Sträuchern nach Abfall greifen zu können. Am Parkplatz nebenan steht ein Lastwagen aus Hückelhoven. Der Fahrer beobachtet die Sammel-Aktion, schimpft darüber, dass er seine gesetzlich vorgeschriebene Pause an solch einem Schandfleck verbringen muss. Nach zehn Minuten Abfallklauben zieht er ein ernüchterndes Fazit: Wo denn die anderen 20 Müllsäcke seien, die mindestens noch gebraucht würden, um mal richtig für Sauberkeit zu sorgen?

Tatsächlich liegen überall noch Fetzen von Papier, Schachteln und Dosen. Es war ein Tropfen auf den heißen Stein — aber immerhin ein Anfang dafür, aufmerksamer zu werden für Abfallprobleme auf dem Neusser Stadtgebiet, die sich nicht nur auf Randgebiete beschränken. Immer wieder beklagen sich Anwohner über achtlos weggeworfenen Müll, ob Nordstadt, City oder im Neusser Süden, der Ärger ist stets der gleiche. Die NGZ will diesem Ärger in den kommenden Wochen nachgehen und ist dafür auf Hinweise ihrer Leser angewiesen — denn den Dreckecken soll es an den Kragen gehen.

(NGZ/ac)