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Neuss/Hamburg: Ein Rocker bei den Schützen

Neuss/Hamburg : Ein Rocker bei den Schützen

Rockmusiker Achim Reichel taucht auf Schützenpartys im Kreis regelmäßig auf – musikalisch. Wenn sein Titel "Aloha Heja He" gespielt wird, tobt die Meute. Der Künstler selbst freut sich über den späten Erfolg des Liedes.

Rockmusiker Achim Reichel taucht auf Schützenpartys im Kreis regelmäßig auf — musikalisch. Wenn sein Titel "Aloha Heja He" gespielt wird, tobt die Meute. Der Künstler selbst freut sich über den späten Erfolg des Liedes.

Manchmal setzt Achim Reichel sich an seinen Computer, geht ins Internet, tippt "www.youtube.de" in die Adresszeile — und sucht nach seinem Song, nach "Aloha Heja He". Dann ist der Hamburger Reichel eine Mischung aus erstaunt und erfreut: "Es gibt da 70 kleine Filmchen mit Versionen meines Titels, und zusammen sind die schon mehr als drei Millionen Mal angeklickt worden", sagt er. Wie erfolgreich sein Song, der schon 20 Jahre alt ist, heute noch ist, zeigt auch eine sehr aktuelle Schützenfest-Tradition im Rhein-Kreis Neuss: Wenn "Aloha Heja He" auf Partys gespielt wird, johlt die Menge erst, setzt sich dann in Reihen auf den Boden — und macht Trockenruder-Übungen. "Verrückt, aber schön" findet Reichel das.

Verrückt, weil Reichel eigentlich Rockmusiker ist. 1961 gründet er die Band "The Rattles", die mit "The Lords" zusammen zu den beliebtesten deutschen Beat-Bands gehörte. Mit den Stones gehen sie auf Tour, mit den Beatles, sie begleiten Johnny Hallyday im Studio. Eine Weile müssen die Rattles ohne Reichel auskommen — der Hamburger muss zum Bund, pachtet danach den legendären "Star Club". Und verändert sich Mitte der 70er Jahre musikalisch völlig: Reichel nimmt ein Shanty-Album auf, 2006 sogar eine Platte, die "Volxlieder" heißt und auf der der Hamburger Lieder wie "Sah ein Knab' ein Röslein stehn" singt.

Reichel antwortet den Kritikern schon 1976 so: "Volksmusik muss leben, und das kann sie nur, wenn man sie in das Klangbild der Zeit hebt." Vielleicht ist er deshalb nicht geschockt, wenn er hört, dass sein Lied auf einem sehr traditionellen Fest wie dem Schützenfest so gut funktioniert. ",Aloha Heja He' ist auf dem Weg zum Volksgut, das freut mich", sagt der Sänger. Und auch das Rudern mag er: "Da entsteht eine Gemeinschaft, und die ist auch noch kreativ." Früher, so Reichel, habe man Tänze erfunden, heute halt das Rudern. Laut einer Legende ist die Ruder-Tradition vor sechs Jahren in Neuss entstanden, als ein Ruderer Schützenkönig war — und Partygäste sich ihm zu Ehren auf den Hosenboden setzten und trockenruderten. Reichel kannte die Geschichte noch nicht — gefragt hatte er sich jedoch schon oft, was die Menschen auf den Youtube-Clips, die er sich manchmal anschaut, da tun. Und Teil einer Legende zu sein, das gefällt dem Musiker durchaus.

Zwei Jahrzehnte ist das Lied alt, das bei Reichel-Konzerten immer noch ein Raunen durch die Menge gehen lässt. Bei der Plattenfirma ist der Song damals nicht gut angekommen, erzählt Reichel. Zu unanständig, um ihn als Single zu veröffentlichen, habe es geheißen. Doch Reichel setzte sich durch. Gut so.

(NGZ)