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Neuss: Ein Markt für den Lessingplatz

Neuss : Ein Markt für den Lessingplatz

Jahrelang sah es so aus, als würde es für den Lessingplatz keine Lösung geben, jetzt ist eine in Reichweite: Der Bezirksausschuss Norf legte sich auf einen Projektentwickler fest, der Supermarkt und Kindergarten baut.

Es hat Workshops und Werkstattverfahren gegeben, einen runden Tisch, Pläne, Streit und viele Debatten. Jetzt gibt es für die Zukunft des Lessingplatzes, den vielleicht umstrittensten Platz in der Stadt, endlich auch Beschlüsse: Die Mitglieder des Bezirksausschusses Norf legten sich am Mittwochabend in einer Sondersitzung auf den Düsseldorfer Investor und Projektentwickler Cobau Consultans fest, der auf dem Platz einen Lebensmittelmarkt und – als Ersatz für die bestehende Einrichtung – einen neuen Kindergarten bauen soll. Das Votum war einstimmig, hebt die Ausschussvorsitzende Waltraud Beyen hervor.

Drei Bewerber hatten ihre Konzepte vorgestellt. Die Bonner Firma Alpha Plan, die Firma Schlun Real Estate aus Gangelt, die erst Mitte Juni als Interessent aufgetreten war, und eben Cobau aus Düsseldorf, seit Mai im Bieterkreis. Die hatte als einzige am Mittwoch keinen Marktbetreiber genannt, so dass sich die Politik nur vorbehaltlich auf Cobau festlegen wollte. Damit nicht durch die Hintertür ein Discounter Einzug hält, soll Cobau noch vor der Entscheidung im Rat Ross und Reiter nennen. "Wenn wir müssen, werden wir das tun", sagte Cobau-Geschäftsführer Ulrich Elberskirch, der Interessenten an der Hand hat.

Weil man für das Nahversorgungszentrum Norf nur einen Vollsortimenter akzeptieren wird, war die Bewerbung von Schlun Real Estate chancenlos. Denn hinter diesem Projektentwickler steht Netto (früher Plus). Das Konzept der Firma Alpha wiederum, die schon mit Plänen für einen Kindergarten auf dem Supermarktdach für Gesprächsstoff im Ort gesorgt hatte, erschien den Verantwortlichen zu groß. Sie wollte mit der Rewe-Gruppe einen Markt mit 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen. Cobau plant mit 1200 Quadratmetern eine Nummer kleiner – und das passt nach Ansicht des Ausschusses besser ins Ortsbild.

"Hier muss das Projekt hin, das nach all den Konflikten den wenigsten Widerstand auslöst", kommentierte Klaus Pangritz-Sellschopp als Sprecher der Lessingplatzanlieger die Wahl. Das Netto nicht kommt, begrüßt er, mit jedem der anderen Entwickler hätten die Anlieger aber auch ihren Frieden gemacht. Das Schönste aber sei, dass alle Beteiligten von der Notwendigkeit eines solchen Marktes überzeugt sind, sagt er.

Mit dem Markt als Anziehungspunkt und Frequenzbringer verbindet auch die Politik große Hoffnungen. Er soll den Niedergang des zuletzt schmucklosen Platzes stoppen helfen, das Nahversorgungszentrum Norf aufwerten. So wie es das Einzelhandelsgutachten der Stadt vorschlägt.

Froh sind die Norfer auch, dass die Realschulwiese, auf der schon einmal ein Markt angesiedelt werden sollte, Grünfläche bleibt. Dafür waren noch im Vorjahr mehr als 600 Unterschriften gesammelt worden. "Wir sind einen gehörigen Schritt weiter", seufzt Pangritz-Sellschopp erleichtert.

(NGZ)