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Neuss: Ein lebendiges Abenteuer

Neuss : Ein lebendiges Abenteuer

Mit einer Deutschlandpremiere wurden die Internationalen Tanzwochen in Neuss beendet. Die Company des Choreographen Trey McIntyre stammt aus Idaho in den USA und ist eine Neuentdeckung.

Durch Tanz die Emotionen der Lebensreise auszudrücken und das Publikum an der Kunst teilhaben zu lassen – das sind die Ziele, die sich die Company des jungen amerikanischen Choreographen Trey McIntyre gesteckt hat. Nach der Deutschlandpremiere bedankten sich die Zuschauer in der ausverkauften Stadthalle mit tosendem Applaus für das lebendige Abenteuer Kunst.

Ein Abenteuer war es auch für McIntyre selbst, sich in "Serious" einem Traum zu nähern, in "Ma Maison" dem Lebensgefühl des vom Schicksal geschlagenen New Orleans und in "Arrantza" der baskischen Kultur. "Serious" zeigt zwei Männer und eine Frau als gleichberechtigte Partner in einem Pas de trois von fast geometrischer Strenge, während "Ma Maison" eine komisch-morbide Mischung zwischen Karnevalszug und Trauermarsch ist, zwischen Mardi Gras und Halloween. Ein frecher Totentanz, getanzt von Gerippen in Kostümen des venezianischen Karnevals zu Musik der "Preservation Hall Jazz Band".

In Boise, der Hauptstadt von Idaho, wo sich das "Trey McIntyre Project" angesiedelt hat, leben etwa 15 000 Menschen baskischer Abstammung. Eine Gelegenheit für den Choreographen, sich mit baskischem Volkstanz auseinanderzusetzen und sich dessen innere Verwandtschaft zum Ballett zunutze zu machen. "Arrantza", das baskische Wort für das Fischen, steht hier nicht nur für einen Teil der baskischen Kultur, sondern auch für die künstlerische Methode, die Angel auszuwerfen, um sich ein Element aus der fremden Welt herauszufischen.

Eindrucksvoll ist bereits das Eröffnungsbild: Der in der Mitte der Bühne aufragende Felsen wird unter Schwenken der baskischen Flagge plötzlich lebendig, die Tänzer erheben sich und streifen ihre sandfarbenen Kutten ab. In Jeans und schwarzen Oberteilen mit Baskenmützen und roten Halstüchern erscheinen sie als moderne Menschen, deren Wurzeln jedoch erkennbar bleiben. Dazu passt eine Bewegungssprache zwischen Ballett und zeitgenössischem Tanz.

Bevor Volksmusik mit traditionellen Instrumenten einsetzt, fragt eine Stimme aus dem Off: "Wer sind die Basken?" und gelangt schließlich zur Antwort: "Die Basken sind ein singendes und tanzendes Volk." Meisterhaft: die Verknüpfung zwischen Leichtigkeit des Balletts und athletischer Kraft, zwischen synchroner Akkuratesse und Freiheit des individuellen Ausdrucks, zwischen Spannung und Entspannung wie etwa in einer Drehung, die sich in lässiges Schlendern auflöst. Mit der Synthese aus Folklore und Ballett gelang McIntyre im ursprünglichen Wortsinn ein "Pas de basque".

(NGZ)