Neuss: Ein "Kunstmärchen mit Musik" eröffnet die RLT-Saison

Neuss : Ein "Kunstmärchen mit Musik" eröffnet die RLT-Saison

Intendantin Bettina Jahnke zeigt mit "Das kalte Herz" ihre letzte Inszenierung im Rheinischen Landestheater Neuss.

Ein Märchen mit dem Titel "Das kalte Herz" zum Auftakt der Saison, inszeniert von Bettina Jahnke, die damit als Regisseurin auch ihre Abschiedsvorstellung am RLT gibt: Klingt schräg, ist aber nur ein Zufall. Die Wahl des Stücks vielleicht nicht, aber der Umstand, dass es die letzte Arbeit von Jahnke in Neuss sein wird. Denn das hat sich erst lange nach der Festlegung des Spielplans 2017/18 am RLT ergeben. Wenn es die Geschichte von Wilhelm Hauff über Peter Munch, der sein Herz gegen Reichtum eintauscht, nicht in der Theaterfassung von Rebekka Kricheldorf geben würde, hätte es das Märchen wohl nicht auf den Spielplan geschafft. "Sie ist witzig und pointiert, sehr modern", sagt Jahnke und versichert: "Es wird ein unterhaltsamer Abend." Vor allem, so ergänzt sie, habe sie die Kricheldorfs Übersetzung der Figuren Holländermichel und Glasmännlein überzeugt.

Holländermichel bleibt der Verführer in Sachen Reichtum, aber das Glasmännlein steht nicht länger - wie bei Hauff - für Moral, sondern für den Verstand. "Wir wollen erzählen, dass die Welt nur verstehen kann, wer seinen Verstand einsetzt", sagt Jahnke und meint mit "wir" den Musiker Henning Nierhörster, mit dem sie zusammen das Konzept für eine musikalische Inszenierung erarbeitet hat. Nierhörster hat dafür etwa Songs von Rosenstolz und Seed arrangiert, denn zwei Musiker - unter anderem er selbst - werden live auf der Bühne dabei sein.

"Ein Kunstmärchen mit Musik" werde die Arbeit sein, rund zwei Stunden dauern und auch äußerlich, in der Ausstattung von Juan Léon, opulent als Kunstprodukt bis hin in die Figurenzeichnung erkennbar sein, sagt Jahnke. Die Figuren aus dem Hauff-Märchen behalten jedoch ihre Namen. Peter Munch wird von Josia Krug gespielt, seine Lisbeth von Anna Lisa Grebe. Jahnke geht es vor allem um eine Typisierung der Figuren - und um die Gegenüberstellung von zwei Prinzipien: "Holländermichel vertritt ein rauschhaftes Leben ohne Regeln, das Glasmännlein plädiert fürs Erwachsensein, für ein Leben mit Vernunft." Gedacht haben sich Jahnke und ihr Team beider Lesart der Theaterfassung des Märchens "ein bisschen in Richtung Black Rider". Das Musiktheaterstück von Robert Wilson (Regie), Tom Waits (Musik) und William S. Burroughs (Text) hat in Sachen Kunstmärchen am Theater Geschichte geschrieben.

Info Oberstraße 95, Samstag, 16. September, 20 Uhr (Premiere), 02131 269936

(hbm)