Roland Jankowsky im Kulturkeller: Ein Kommissar mit Augenzwinkern

Roland Jankowsky im Kulturkeller : Ein Kommissar mit Augenzwinkern

Schauspieler Roland Jankowsky gastierte mit einer amüsanten, spannenden und teils schaurig schönen Lesung im Kulturkeller.

Roland Jankowsky ist durch den äußerst skurrilen Charakter des Kommissar Overbeck aus der Krimireihe „Wilsberg“ im ZDF bekannt geworden. Ein Umstand, den er gerne nutzt, um die Werbetrommel für seine Lesereihe zu rühren. Denn Overbeck, der immer Sonnenbebrillte Möchtegern-James-Bond, ist schon längst der heimliche Star der Serie geworden. Kein Wunder also, dass diese Spürnase viele Besucher an den unterirdischen Tatort lockte.

Vorab: Niemand hat sein Kommen bereut. Vier von ihm ausgesuchte Texte hat Jankowsky am Vorabend seines Geburtstages mitgebracht, das Kellergewölbe ist, wie er sagt, muckelig und der rechte Ort dafür.

Der Abend beginnt mit dem Gedicht „Jemand muss Frau Kimmel töten“ und so pragmatisch, wie der Titel klingt, ist er doch der passende Einstieg in einen wirklich nicht zimperlichen Abend. Er liest aus Angela Eßers Buch „Schwäbische Henkersmahlzeiten“ eine Geschichte, in der die Grenzen zwischen Mafia und Weißwurst – die eigentlich nicht unbedingt zusammen gehören – verschwimmen. Sizilianische Bosse sterben beim Versuch, die Herrschaft in der süddeutschen Provinz an sich zu reißen, wie die Fliegen. Aus „Tatort Eifel 2“ von Martina Kempff stammt die Geschichte vom Gartenteich, den der kinderlose Eigentümer mit allen Mitteln gegen den kleinen Nachbarsjungen verteidigen muss. Aber, wie so häufig im Leben, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Wenn „Oh Gott, ein Traktor“ die letzten Worte des vermeintlichen Mörders sind, darf man gespannt sein. Ralf Kramps Buch „Starker Abgang“ und daraus „Dumm gelaufen in Damme“ wird durch Jankowskys mundartliche Begabung erst so ein richtig guter Vortrag. Denn wenn sich zwei Auftragskiller aus Friesland und Sachsen treffen, nähert man sich einem urkomischen Dialektbabylon. Brigitte Glaser hat in ihrem Buch „Bitter und Böse“ die Episode „Publikumsverkehr“ aus dem Niehler Meldeamt geschrieben. Dass der Kopf der nicht einmal unfreundlichen Sachbearbeiterin irgendwann unter die roten Plastikstühle kullert, ist die erzählerische Spitze eines triefenden Klischees.

Zwei Stunden lang mit Pause unterhält Roland Jankowsky den ausverkauften Kulturkeller. Er signiert geduldig Bücher, die im Eingang aufgestellt sind und versteht seine Lesereihe eh als Plädoyer für die kleinen Buchläden der Republik. Amazon ist nicht sein Ding. Nachdem die Buchhandlung Gutenberg vor gar nicht allzu langer Zeit schließen musste, trafen diese Worte so manchen Nerv der Besucher. Übrig blieb vom Abend aber dennoch die große Lust am Buch und der Spaß am Lesen. Roland Jankowsky – gelernt ist gelernt - hat viel dazu beigetragen!

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