Neuss: Ein Katalog sozialer Hilfen

Neuss : Ein Katalog sozialer Hilfen

Lange hat die Verwaltung an einer Datensammlung gearbeitet, die den Sozialbericht alter Form ersetzen soll. In Zeiten knapper Kassen soll sie ein Instrument zur Planung und politischen Diskussion sein. Jetzt ist die Politik am Zug.

Von den mehr als 70 Millionen Euro, die die Stadt im Jugend- und Sozialetat verwaltet, ist die Masse für Pflichtaufgaben fest verplant. Den Anteil, der disponibel ist, schätzt Sozialdezernent Stefan Hahn auf zweieinhalb bis drei Millionen Euro.

Aber genau das ist das Geld, mit dem Politik gestaltet werden kann und um das entsprechend gerungen wird. Damit diese Diskussionen auf der Basis belastbarer Fakten geführt werden können, hat die Stadtverwaltung gestern Band zwei ihres Sozialberichtes im Sozialausschuss vorgelegt. "Eine Chance für alle, nicht auf der Basis eigener Erfahrungen oder von Mutmaßungen zu planen", erklärt Andrea Schumacher, Autorin beider Bände, selbstbewusst.

Band zwei ist nicht die Fortsetzungsgeschichte des ersten und auch kein simpler Ergänzungsband. Seine Daten sollen sich vielmehr mit dem ersten, der seit Mai vorliegt, verzahnen. Während der Fakten zur sozialen Lage der Menschen in den 28 statistischen Bezirken der Stadt bündelt, listet der zweite die Einrichtungen überall in der Stadt und ihre Leistungen auf. Ein Katalog der Hilfe.

Das funktioniert so: Seit Band eins erschien ist offenkundig, wie problembelastet das Barbaraviertel ist: Höchster Ausländeranteil, höchster Geburtenüberschuss, höchster Anteil überschuldeter Verbraucher, höchste Mobilitätsrate. Band zwei dokumentiert demgegenüber die soziale Infrastruktur in diesem Quartier: eine Grundschule, ein Familienzentrum, ein Kindergarten, sechs Spielplätze. Ob das in Quantität und Qualität ausreicht, eine solche Bewertung formuliert der Bericht nicht. Das müsste in einem dritten Band stehen, den Politik, Verwaltung und Sozialverbände gemeinsam "schreiben" müssen.

"Teil drei ist die Interpretation", sagt Hahn. Und er weiß: "Da ist Musik drin." Denn am Ende geht es um Geld. Und, so stellt Schumacher klar: "Die Auseinandersetzung und die Entscheidung wird den Verantwortlichen nicht abgenommen." Bestenfalls kommt diese einvernehmlich zustande und bildet einen "gerechten Ausgleich" (Hahn) divergierender Interessen. Um dahin zu gelangen, soll der weitere Prozess von einem externen Moderator begleitet werden.

Wer die Telefonbuch dicken Bände des Sozialberichtes zur Hand nimmt, soll mit ihnen arbeiten. "Der Sozialbericht ist kein Veranstaltungskalender und kein Nachschlagewerk für Betroffene", sagt Schumacher. Und er erfasst nur die Einrichtungen in der Jugend- und Sozialarbeit, die niederschwellig zu erreichen sind. Sportvereine, die auch Jugendarbeit machen aber eben Mitgliedsbeiträge erheben, blieben ausgeklammert.

(NGZ/rl)
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