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Neuss: Ein Job mit Aussicht: Arbeiten im 13. Stock

Neuss : Ein Job mit Aussicht: Arbeiten im 13. Stock

Für Michael Felker ist die 13 keine Unglückszahl, schließlich arbeitet er seit Jahren im 13. Stockwerk des "UPS-Towers" im Rheinpark.

Neuss ist nicht New York, doch ein paar Wolkenkratzer gibt es auch in der Quirinusstadt. Im Rheinpark stehen gleich mehrere Hochhäuser und bieten einen Rundumblick über Neuss und Düsseldorf. Michael Felker genießt die Aussicht nur kurz, denn er ist zum Arbeiten dort. Im "UPS-Tower" hat er ein Büro auf der 13. Etage. Von dort aus leitet er die Gruppe Netzwerk und Service, die für den Paketdienst europaweit den Informations- und Datenfluss sicherstellt.

Die breite Fensterfront im Büro 13.03 liegt Richtung Norden. Michael Felker blickt nach Düsseldorf, auf den Stadtteil Heerdt. Lässt er seine Augen nach rechts schweifen, kann er bei gutem Wetter den Tower des Düsseldorfer Flughafens sehen, dann den Rhein und den Fernsehturm. "Den schönsten Blick haben die Leute auf der Westseite, wenn hinter dem Quirinus-Münster die Sonne untergeht", sagt Felker. Diese Aussicht bietet sich auch den Kollegen in der zwölften Etage oder denen im 15. und 16. Stock.

Vor allem jene Mitarbeiter des Logistikkonzerns mit Deutschlandsitz in Neuss, die im Fahrstuhl noch höher fahren, haben gerne einen lockeren Spruch drauf, wenn Michael Felker auf der 13 aussteigt. "Ab und zu schicken mir die Kollegen extra einen Glücksgruß hinterher", sagt er. Abergläubisch ist der langjährige UPS-Mitarbeiter jedoch nicht. Trotzdem gibt er den Besuchern auf seiner Etage selbst einen mehr oder weniger ernst gemeinten Rat mit auf den Weg: "Man steigt im 13. Stock nicht in den Fahrstuhl ein. Gehen Sie lieber die Treppe runter in den zwölften und nehmen ihn erst dann." Bei UPS gibt es auf der 13. Etage auch ein Zimmer mit der Nummer 13. Dass hier kein Mensch arbeitet, sondern die Computerserver stehen, ist aber reiner Zufall.

Anders — nämlich volle Absicht — ist es dagegen nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt im Swissôtel: Dort wird der 13. Stock tatsächlich ausgespart. Im Fahrstuhl kommt nach der 12 die 14, und es gibt auch keine Zimmernummern mit der 13. Somit kommt das eigentlich 15-stöckige Haus auf 16 Etagen. "Dass es solche Zimmernummern nicht gibt, ist in der Hotelbranche durchaus noch üblich. Dass aber eine ganze Etage ausgespart wird, da sind wir schon etwas Besonderes", erzählt Hoteldirektor Hidir Özdemir.

Als das Haus Anfang der 1980er Jahre gebaut wurde, sei dieser Aberglaube vor allem bei ausländischen Gästen stark verbreitet gewesen. "Heute macht man das eigentlich nur noch aus Spaß. Auch die Gäste flachsen darüber, wenn sie ihr Zimmer in der 13. Etage bekommen", sagt Özdemir. Schließlich könne auch nicht jeder Aberglaube berücksichtigt werden: "Bei den Japanern etwa ist die Vier eine Unglückszahl", sagt der Hotelchef.

In neuen Hotels wird inzwischen ohne Lücke durchgezählt. "Bei uns gibt es Zimmer mit der Nummer 13 und auch eine 13 am Sessellift", sagt Ricarda Meier, Sprecherin des Hotels "Fire and Ice" an der Skihalle. Leer bleiben sie nicht, denn bei vielen Besuchern hat sich die Angst vor der "bösen 13" längst gelegt. Für manche ist sie sogar eine Glückszahl.

(NGZ/rl)