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Neuss: Ein Grüner sieht seine Arbeit belohnt

Neuss : Ein Grüner sieht seine Arbeit belohnt

Michael Klinkicht ist dienstältester Fraktions-Chef im Rat. Schwarz-Grün ist die Krönung seiner politischen Laufbahn.

Immer wieder unterbricht das surrende Handy das Gespräch. "Wer mich alles sprechen will", wundert sich Michael Klinkicht (51), "da könnte ich glatt auf den Gedanken kommen, ich sei wichtig." Der stets in Schwarz gekleidete Grüne versucht, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Denn wichtig ist er alle mal. Ohne ihn, oder besser ohne die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, läuft im Stadtrat wenig bis gar nichts. Das wissen auch die Christdemokraten, die immer noch die mit Abstand stärkste Kraft im Rathaus sind. Um aber die knappe Mehrheit zu erlangen, vollzog die CDU den Wechsel. Weg von der FDP, hin zu den Grünen, mit denen sie erstmals eine Koalition einging.

Seit der Kommunalwahl im Mai sind Klinkicht und seine Grünen nun Teil der gestaltenden Mehrheit. "Wir werden darauf achten, dass die Verbraucherberatung auch wirklich kommt", sagt er, "und dass ausreichend Geld in den Etat eingestellt wird, damit die Schultoiletten saniert werden können." Die Ratsarbeit raubt als "Teil der Stadtregierung" noch mehr Zeit. "Früher", sagt Klinkicht, "haben wir uns als Oppositionsfraktion ein, zwei Themen rausgepickt und richtig Dampf gemacht. Heute müssen wir alle Themenfelder beackern. Das macht Freude, aber eben auch viel Arbeit."

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Dabei hat er ehrenamtlich schon seit mehr als zwei Jahrzehnten viel Zeit und Kraft in die Kommunalpolitik investiert. Die Erfolge, die aus der Rolle der Opposition möglich waren, blieben gering. Heute ist der Einfluss in einer Koalition ungleich größer. So empfindet Klinkicht die neue Rolle als "Krönung unserer politischen Laufbahn". Allerdings sei auch die Verantwortung gewachsen, "die wir für Neuss und die Neusser jetzt übernehmen".

Schon als Gymnasiast engagierte sich Michael Klinkicht. Damals in der CDU-nahen Schüler-Union. Aus jener Zeit kennt er noch den heutigen Gesundheitsminister Hermann Gröhe oder auch Detlef Fleischer. Mitglied der CDU war er jedoch nie. Mitte der 1980er Jahre fand Klinkicht zu den Grünen, für die er sich seit 1994 aktiv einsetzt. Fünf Jahre später zog er erstmals in den Stadtrat ein und wurde auf Anhieb zum Vorsitzenden seiner Fraktion gewählt - und ist es bis heute geblieben. Dieses Stehvermögen kombiniert mit Nehmerqualitäten hat ihn zum dienstältesten Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat werden lassen. "Ich kann doch nicht dafür, dass die anderen immer so schnell ihre Vorsitzenden auswechseln", witzelt er, wohlwissend, dass Reiner Breuer (SPD) und Heinrich Köppen (FDP) gemeinsam mit ihm 1999 zu Fraktionschefs aufstiegen und es bis zum Mai dieses Jahres auch blieben.

Die Koalition mit der CDU bewertet Klinkicht als "fair" und "konstruktiv". Allerdings, so sein Eindruck, "wundert sich doch mancher Christdemokrat wie gründlich bei uns auch diskutiert wird." Vielen CDU'lern bereite diese lebendige Art der Politikgestaltung aber offenbar viel Freude.

Das neue Selbstbewusstsein wollen die Grünen auch mit Personalvorschlägen öffentlich präsentieren. So kündigt Klinkicht einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten an und will schon bald das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Vorschlagsrecht für einen Umwelt-Beigeordneten ziehen: "Wir werden einen Antrag stellen, diese Stelle zu schaffen und auszuschreiben."

(NGZ)