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Neuss: Ein Gespräch über Politik und Christsein

Neuss : Ein Gespräch über Politik und Christsein

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) war gestern Gast im Augustinus-Forum. 650 Besucher wollten ihn hören.

Zu keinem Zeitpunkt hatte Norbert Lammert (64) Zweifel an der Bedeutung von Religion, Glaube und Kirche in seinem Leben. Doch selbst bei den Debatten über den Beginn menschlichen Lebens oder – aktuell – die Zulässigkeit von Sterbehilfe, so stellte der CDU-Politiker und Bundestagspräsident gestern Abend klar, "müssen kirchliche Empfehlungen oder Erwartungshaltungen nicht entscheidungsprägend sein". Ein Gegensatz?

Norbert Lammert ließ im Gespräch mit Chefredakteur Sven Gösmann (oben, l.) keinen Zweifel an seinem Glauben, aber auch an seiner mitunter kritischen Haltung zur Amtskirche. Lammert wurde als erster Gast des Augustinus-Forums in 2013 von Wilhelm Straaten, Berthold Bonekamp (unten, v.l.) und Michael Schlagheck (r.) vor 650 Zuhörern begrüßt. Foto: A. Tinter

Was Christsein in der Politik bedeute, welche Chancen es bietet, welche Grenzen es setzt, und wie ein bekennender und engagierter Christ das lebt, das war der Kern, um den sich gestern beim ersten "Augustinus-Forum" 2013 der Stiftung "Cor unum" der Neusser Augustinerinnen alles drehte. 650 Neusser hatten Interesse an dieser Frage und sich zur Mehrzweckhalle des St.-Josef-/St.-Alexius-Krankenhauses aufgemacht. Ein Echo, das für Michael Schlagheck, den Leiter des Augustinus-Forums, unterstreicht: "Das Augustinus-Forum ist ein Gesprächsort für wichtige Fragen, ein Ort der Verständigung über tragende Wertvorstellungen." Und dazu war der "zweite Mann im Staat" nach Neuss gekommen. Als Parlamentarier – und Katholik.

Norbert Lammert ließ im Gespräch mit Chefredakteur Sven Gösmann (oben, l.) keinen Zweifel an seinem Glauben, aber auch an seiner mitunter kritischen Haltung zur Amtskirche. Lammert wurde als erster Gast des Augustinus-Forums in 2013 von Wilhelm Straaten, Berthold Bonekamp (unten, v.l.) und Michael Schlagheck (r.) vor 650 Zuhörern begrüßt. Foto: A. Tinter

In einem einstündigen Gespräch mit Sven Gösmann, dem Chefredakteur dieser Zeitung, ließ Lammert keinen Zweifel an seiner Haltung, formulierte aber auch Kritik an seiner Kirche. Dass diese in der Debatte über die Präimplantationsdiagnostik mit der Haltung auftrat, alleine zu wissen, was richtig ist, "hat mich total genervt", gab Lammert zu. Er haderte mit einer Amtskirche, die "an der Aufrechterhaltung des eigenen Geschäftsmodells mehr interessiert ist, als an der Vermittlung des Glaubens", machte aber auch deutlich: In der Debatte über Missbrauchsfälle habe er "keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit" der Kirche, diese aufzuklären.

Auch im Juni wird es im Augustinus-Forum um Kirche und Politik gehen, wenn Karl Jüsten, der Leiter des katholischen Büros Berlin, über Deutschland vor der Wahl spricht.

(NGZ)