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Neuss: Ein Floh, der im Ohr bleibt

Neuss : Ein Floh, der im Ohr bleibt

Am Wochenende feierte die Komödie von Georges Feydeau eine umjubelte Premiere im Rheinischen Landestheater.

Am Wochenende feierte die Komödie von Georges Feydeau eine umjubelte Premiere im Rheinischen Landestheater. Bereits nach wenigen Minuten sitzt der Floh im Ohr. Platziert hat ihn ein vom Hotel-Boten geliefertes Paar Hosenträger mit dem Absender "Zur zärtlichen Miezekatze".

Am Wochenende feierte die gleichnamige Komödie von Georges Feydeau eine umjubelte Premiere im Rheinischen Landestheater. Die letzte Inszenierung unter der Intendanz von Bettina Jahnke bot noch einmal Bühnen-Turbulenz und Unterhaltung vom Feinsten.

Raymondes beste Freundin Lucienne weiß, wie man die Sache mit dem Betrug überprüfen kann: man lockt den Ehemann mit dem Brief einer Unbekannten wieder in das Hotel. "Das habe ich mal so im Theater gesehen", meint Lucienne, verheiratete Homenides de Histangua.

Beim Thema Eifersucht weiß sie, wovon sie spricht, denn ihr Mann ist die Verkörperung dieser Leidenschaft. Was die beiden Frauen mit ihrem falschen Brief anrichten, bringt dann eine Lawine an Verwechslungen, Täuschungen und Enttäuschungen in Gang, die am RLT den Zuschauern drei Stunden pures Vergnügen beschert.

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Michael Lippold (Regie) und Sarah Bernardy (Bühne und Kostüme) haben die Handlung in die 60er Jahre verlegt. Wer es sich leisten konnte, lebte damals zwischen den Schrankwänden von Interlübke. Sie umrahmen auch den Salon der Chandebises. Trotz Klarheit in der Möbel-Formensprache, liefern sich die Figuren dort Duelle voller erotischer Anspielungen.

Beinahe das ganze Ensemble wird für diese Inszenierung aufgeboten, und es fällt anfangs nicht leicht, die zahlreichen Personen auseinander zu halten. Dabei gibt es nur eine einzige Doppelrolle. Philipp Alfons Heitmann spielt im Salon den Monsieur Chandebise und im Hotel den Diener Poche, was für die Verwicklungen des Stücks und deren Auflösung unbedingt erforderlich ist.

Nicht weniger wichtig ist der schöne Soundtrack des Abends. Zu hören sind zahlreiche französische Ohrwürmer jener Zeit. Darunter natürlich auch der eine, Sie wissen schon, mit dem ungeheuerlichen Inhalt. Wenn hinter der puristischen Salonfassade das Lustschloss "Zur zärtlichen Miezekatze" auftaucht, erklingt "Je t'aime - moi non plus". Serge Gainsbourg hatte das Skandal-Lied 1967 zunächst mit Brigitte Bardot und dann, durch Lust-Gestöhne verschärft, mit Jane Birkin aufgenommen.

Mit Zitaten von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir lässt Michael Lippold aber auch die Skandal-Erotik der damaligen Intellektuellen zu Wort kommen. Der Schmutz im Salon ebenso wie der im Stundenhotel wird hierbei nicht nur bildlich unter den Teppich gekehrt.

Feydeau hat seinem Stück eine Reihe von Figuren mit eigenem Unterhaltungswert beigemischt. Darunter den skurrilen Bordellbesucher Rugby (hervorragend umgesetzt von Christoph Bahr) und den sprechbehinderten Camille, gespielt von Josia Krug. Er spricht ganze Texte ohne Verwendung von Konsonanten, sogar Shakespeare.

Bei Hamlet heißt es dann so: "Ei o ä i ei". Eine Mammut-Aufgabe für den Schauspieler. Er bewältigt sie tadellos, was auch für alle anderen Darsteller zutrifft. Hervorzuheben sind Alina Wolff als Raymonde, Johanna Freyja Iacono-Sempritzki als Lucienne Homenides de Histangua und Pablo Guaneme Pinilla als deren eifersüchtiger Ehemann. Diesen Neusser Feydeau-Floh, der in den kommenden Wochen nur in weiteren fünf Vorstellungen zu sehen ist, sollte man nicht verpassen.

(NGZ)