Furth-Nord/Furth-Mitte/Morgensternsheide: Ein Dorf in der Großstadt

Furth-Nord/Furth-Mitte/Morgensternsheide : Ein Dorf in der Großstadt

Zwischen Nordkanal und A 57 liegt ein Dorf, das kaum wächst: Auf der Morgensternsheide wohnen knapp 500 Menschen. Mit mehr als 130 Arbeitsplätzen sind die Gemeinnützigen Werkstätten der größte Arbeitgeber im Ort.

Es gibt sie noch, die Minis in der Großstadt. Zur urbanen Nordstadt gehört so ein Ort, der in sich ruht: die Morgensternsheide. Zwischen Nordkanal, Autobahn A 57 und Stadtwald leben knapp 500 Menschen – und das Dorf wächst kaum, denn es grenzt ans Wasserschutzgebiet. Bauplätze sind knapp. Gerade wird der alte Clemenshof saniert. 17 Wohnungen mit Tiefgarage sollen dort entstehen. Das munkeln zumindest die Dorfbewohner. Für die Morgensternsheide ein großes Projekt, denn der Ort ist so klein, dass er nicht einmal eine Kirmesgesellschaft hat.

Doch auch am Stadtrand bleibt die Zeit nicht stehen. "Der Verkehr nimmt zu", klagt Dietmar Pietsch (66). Der pensionierte Berufsschullehrer und ehemalige Ratsherr für Grüne und UWG wohnt seit 35 Jahren mit seiner Familie auf der Heide. Einst kämpfte er gegen den Ausbau der Steinhausstraße. So kam er in die Politik. "Die vierspurige Straße haben wir verhindert", sagt Pietsch, "aber jetzt nutzen viele den Schleichweg durch die Morgensternsheide, um jenseits der Autobahn ins Kaarster Gewerbegebiet Hüngert zu gelangen."

Das wollen Pietsch und seine Nachbarn nicht klaglos hinnehmen: "Wir werden uns wehren." Ausflügler mit dem Rad und Jogger haben auch die Morgensternsheide oft als Ziel. Wer auf dem Eselspfad´im Westen der Stadt Neuss unterwegs ist, der passiert irgendwann auch das kleine Dorf. Einige Handwerksbetriebe sind dort ansässig, ein Reitstall am Ortseingang. Der größte Arbeitgeber ist die Betriebsstätte der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN). Vor 30 Jahren wurde die Gärtnerei an der Straße Am Leuchtenhof eingerichtet, heute finden dort 130 Menschen mit Behinderung Beschäftigung. Inzwischen ist das Unternehmen zur Institution geworden. "Die GWN gehört zu uns", sagt Pietsch, "Betrieb und Mitarbeiter sind im Dorf voll akzeptiert."

So belebt sich nach und nach der Alltag auf der Morgensternsheide. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, aber die Bewohner sorgen dafür, dass die kleinteilige Atmosphäre erhalten bleibt. Sie wohnen im Grünen und haben es nicht weit in die Stadt. "Wir können unsere Einkäufe zu Fuß oder mit dem Rad tätigen", sagt Pietsch, "das passt zu uns auf der Morgensternsheide."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE