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Neuss: Ein Buchclub nur für Jungen

Neuss : Ein Buchclub nur für Jungen

Mit einem eigenen Projekt will die Neusser Stadtbibliothek acht- bis 14-jährige Jungen zum Lesen animieren. Dafür hat sie einen eigenen Club gegründet: das "B-Team". Da wird aber auch viel gespielt.

Was der Unterschied ist zwischen Büchern für Jungs und Büchern für Mädchen, das wissen Yannek, Jonathan, Matthias und alle anderen vom "B-Team" ganz genau: "In Mädchenbüchern geht es um Liebe oder um Pferde," erklärt Yannek, und seine Mimik lässt keinen Zweifel daran, wie grottenlangweilig das aus seiner Sicht ist. "In Büchern für Jungen geht es um Action und Abenteuer," fährt er fort. Also um wichtige Dinge, da sind er und seine Freunde sich einig.

Konsequent geht es deshalb im JungenBuchClub "B-Team" der Stadtbibliothek um Bücher, die gerade Jungen spannend finden oder lustig. Dass dies eben andere sind als die für Mädchen, nimmt ein Projekt zur Leseförderung von Jungen in den Blick, das die Stadtbibliothek Neuss seit 2010 in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Krefeld auf den Weg gebracht hat.

Bestsellerlisten für Jungen von Jungen geben jungen Lesern Rat bei der Suche nach Spannendem. "Boyzone — Nur für Jungen" kennzeichnen zudem spezielle Zusammenstellungen von Büchern und Medien, die gezielt Jungen zwischen acht und 14 Jahren ansprechen. Großen Anklang findet vor allem der Buch-Club für Jungen, der Gelegenheit gibt, sich auszutauschen und Neues kennenzulernen.

Jeder der acht etwa zehn- bis zwölfjährigen Jungen aus dem "B-Team", die sich seit November 2010 einmal im Monat mit Bibliothekarin Eva Müller treffen, um gemeinsam die Welt der Bücher zu erkunden, Tipps zu bekommen und Erfahrungen weiter zu geben, hat schon sein eigenes Lieblingsbuch vorgestellt und einen kleinen Text darüber geschrieben, für einen Flyer mit Lesetipps für Jungen.

Jan weiß noch genau, warum ihm "Geheimoperation Quirinus" von Susanne Püschel gut gefallen hat. Spontan fängt er an, zu erzählen. Von den Kindern, die auf der Flucht vor der Kapuzenbande in der Neusser Kanalisation auf einen 2000 Jahre alten Wasserkobold treffen, der sie mitnimmt auf eine Zeitreise: "Das war spannend, aber man hat auch viel gelernt über die Geschichte und was in der Stadt passiert ist."

Allerhand zu erfahren über die Welt und dabei auch noch Spaß zu haben, ist der Grund für jede der jungen Leseratten, sich mit Büchern zu befassen. "Es ist toll, vieles kennenzulernen, was es in der Welt gibt", sagt Célien. "Wir lesen einfach viel, und als wir vom Club erfahren haben, dachten wir uns, das ist bestimmt interessant", erzählt der zwölfjährige Matthias, und sein jüngerer Bruder Johannes nickt schüchtern.

"Wir stellen Bücher vor, haben aber auch schon den Kölner DuMont-Verlag gemeinsam besucht, machen Spiele und basteln", erläutert Eva Müller. Am schönsten freilich ist es für alle, wenn Eva Müller ein bisschen vorliest, neue Bücher vorstellt oder sie einfach über die Geschichten reden, die sie gelesen haben.

Weitermachen wollen sie auf jeden Fall nach den Ferien, aber nur, wenn auch weiterhin keine Mädchen dabei sind. Denn die, das wissen Célien, Simon und Jan und Yannek genau, lesen einfach nur schrecklich langweilige Bücher.

(NGZ)