Neuss: Ein besonderer erster Schultag

Neuss: Ein besonderer erster Schultag

Die sechs Jahre alte Lilli Scholz geht ab heute auf die St.-Konrad-Schule. Die Grundschule setzt auf Inklusion – für die Familie ein Glücksfall, denn das Down-Syndrom soll das aufgeweckte Mädchen möglichst wenig begrenzen.

Die sechs Jahre alte Lilli Scholz geht ab heute auf die St.-Konrad-Schule. Die Grundschule setzt auf Inklusion — für die Familie ein Glücksfall, denn das Down-Syndrom soll das aufgeweckte Mädchen möglichst wenig begrenzen.

Auf Lilli können sich die Kinder an der St.-Konrad-Schule freuen. Die Sechsjährige ist aufgeweckt, fröhlich und hat heute ihren ersten Schultag an der Grundschule. Dazu gibt es natürlich eine Schultüte — in rosa, mit einer Ballerina darauf. "Mama hat die gebastelt", erklärt Lilli lächelnd. Und ihre Mutter, Danyela Scholz, verrät zum Inhalt: "Zwei Spiele, Uno und Schnipp-Schnapp, eine Filzglücksfee und eine Trinkflasche, auf der ,Lilli' steht. Und Süßigkeiten." Lilli wurde mit dem Down-Syndrom geboren, Trisomie 21. "Sie ist reich beschenkt worden — mit Chromosomen", sagt Danyela Scholz. Die überzähligen Chromosomen führen zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten. Das soll aber heutzutage kein Kind mehr ausschließen. Inklusion ist das Stichwort, die Einbeziehung behinderter Kinder in den Alltag von nicht behinderten — auch in den Unterricht und nicht exklusiv an Förderschulen.

Lilli hat schon viel gelernt bei der Frühförderung, im Marburger Konzentrationsprogramm und seit März alle acht Wochen in der Tomatis-Therapie in Belgien. "Da hat sie einen Riesensprung gemacht", berichtet Danyela Scholz. Und ihr Mann Robert ergänzt: "Man merkt, dass Kinder schulreif werden. Das wurde Lilli. Deswegen hätte es nichts gebracht, sie ein Jahr zurückzustellen." Deswegen ist sie nun Erstklässlerin.

Vorher war Lilli im Kindergarten "Wurzelzwerge" in Allerheiligen, in dem ihre beiden jüngeren Brüder Tom (4 Jahre) und Julius (2) noch sind. "Tom hat am ersten Tag ohne Lilli ein bisschen getrauert, weil sie nicht mehr da ist", berichtet Danyela Scholz. "Aber ich gehe jetzt nach Gnadental", sagt Lilli. Dort liegt die St-Konrad-Schule und Lilli ergänzt mit Blick auf den Rektor: "Zu Herrn Godde. Meinem Freund."

Für die Familie Scholz ist die Grundschule ein Glücksfall. "Es ist schade, dass die Inklusion noch so weit zurück ist, dass es Schulen gibt, die keine Kinder mit Handicap oder Behinderung aufnehmen wollen, weil sich Lehrer oder Elternvertreter dagegen sträuben", sagt Robert Scholz. "Ich bin froh, dass es die Schule geworden ist." In der St.-Konrad-Schule steht Lilli eine Integrationshilfe zur Seite, drei Stunden pro Woche hat sie zudem Unterricht bei einer Sonderschulpädagogin. "Wenn wir merken, dass Lilli überfordert wird, und auch die Schule sagt, dass sie an einer Förderschule besser aufgehoben wäre, würden wir die Reißleine ziehen", sagt Robert Scholz.

Diese Gefahr scheint bei Lilli aber gering. "Es ist bekannt, dass Kinder mit Down-Syndrom gut zu fördern sind. Das ist bei Lilli auch so. Sie hat ein gutes Selbstbewusstsein", sagt Danyela Scholz. "Wir wollen ihr die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln. Wir verlangen viel von ihr", sagt Robert Scholz und seine Frau ergänzt: "Wir verlangen von ihr, was wir auch von anderen Kindern verlangen. Schön wäre, wenn sie lesen und schreiben lernt, damit sie später alleine leben kann." Genau das soll die Inklusion ermöglichen.

(NGZ/ac)
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