Ehrenamtspreis des Rhein-Kreises: Interview mit Landrat Hans-Jürgen Petrauschke

Interview mit Landrat Hans-Jürgen Petrauschke : „Mit dem Preis wollen wir ganz laut Danke sagen“

Zum Start der Kandidatensuche für den Ehrenamtspreis spricht der Landrat in einem Interview über gute Vorbilder, die Jugendliche brauchen, und über die veränderten Strukturen des Ehrenamts.

Mit Wettbewerben und Preisen für das Ehrenamt werben – der Rhein-Kreis setzt sehr stark darauf. Was hat den Anstoß gegeben?

Hans-Jürgen Petrauschke Mit unserem Journalistenpreis, dem Sportehrenamtspreis, dem Integrationspreis und dem Ehrenamtspreis für soziales Engagement wollen wir den Ehrenamtlichen ganz laut und ganz öffentlich „Danke“ sagen. Außerdem zeichnen wir schon seit vielen Jahren besonderes Engagement in den Rettungsdiensten und bei der Feuerwehr aus. Denn der Dank kommt im normalen Alltag ja oft leider viel zu kurz, auch deshalb, weil die allermeisten ehrenamtlich Tätigen eher still und leise vor sich hin arbeiten. Gerade deshalb ist es aber wichtig, die Bedeutung des Ehrenamts hervorzuheben und vorbildliches Engagement mit einem Preis zu würdigen.

Ehrenamtlich engagieren sich vor allem ältere Menschen. Wie könnten junge Leute dafür begeistert werden?

Petrauschke Sicher sind ältere Menschen mehr in den sozialen Bereichen aktiv. Aber auch viele junge Menschen engagieren sich in vorbildlicher Art. Ich denke da zum Beispiel an Sport und Umweltschutz. Viele junge Leute engagieren sich aber auch an Schulen und Universitäten, in Hilfs- und Rettungsorganisationen und in den Freiwilligen Feuerwehren. Ich meine, dass Jugendliche gute Vorbilder brauchen. Am besten ist ein persönlicher Kontakt, der es den Jugendlichen erleichtert, sich für ein Engagement zu entscheiden. Wenn sie zum Beispiel in ein Projekt oder einen Verein hinein schnuppern, fällt es ihnen meist einfacher, einen Zugang zum Ehrenamt zu finden.

In welchen Bereichen sehen Sie noch Bedarf für ehrenamtliches Engagement?

Petrauschke Ehrenamt ist in allen gesellschaftlichen Bereichen gefragt; bestimmte Bereiche möchte ich hier nicht besonders hervorheben. Denn Engagement hat ganz viele Gesichter. Es reicht vom klassischen Ehrenamt wie dem Schöffenamt bei Gericht über die Mitarbeit im Sportverein oder im Kirchenvorstand bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr und im Rettungsdienst. Ehrenamt ist aber auch in den Bereichen Kultur und Musik, in Kindergarten und Schule und generell im sozialen Bereich unverzichtbar. Jeder sollte sich selbst aussuchen, welches Engagement am besten zu einem passt.

Was bringt der freiwillige Einsatz Ihrer Meinung nach demjenigen, der sein Know-how und seine Freizeit einbringt?

Petrauschke Das Ehrenamt bietet Menschen aller Altersgruppen eine sinnvolle Tätigkeit, die soziale Kontakte und Anerkennung mit sich bringt. Ich weiß aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Vorsitzender der „Freunde des Klosters Langwaden“ sowie im Kirchenvorstand der Pfarre St. Georg Elfgen, dass es sich lohnt, Zeit und Energie zu opfern für eine Sache, die einem am Herzen liegt. Ein Ehrenamt macht nicht nur Spaß, es bietet auch die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen und etwas für das Gemeinwohl zu tun. Auf diese Weise kann jeder gemeinsam die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitgestalten und etwas besser machen. Denn, wie Hermann Gmeiner, Gründer der SOS-Kinderdörfer, gesagt hat: „Alles Große entsteht dort, wo jemand mehr tut als er muss!“

Wie sollte man heute fürs Ehrenamt werben? Denn wichtig wäre es ja auch diejenigen anzusprechen, die sich vielleicht nur einmal im Monat einige Stunden engagieren möchten. Brauchen wir neue Strukturen fürs Ehrenamt?

Petrauschke Es ist richtig, dass sich die Strukturen des Engagements verändert haben. Dauerhaftes Engagement für eine Organisation wird zunehmend abgelöst von einer spontanen Beteiligung, die sich an eigenen Interessen orientiert. Viele sind bereit mitzumachen, aber nicht unbedingt Mitglied zu werden. Die neuen Ehrenamtlichen wollen Zusammenschlüsse, in denen der einzelne zählt und etwas verändern kann. Sie wollen sich in überschaubaren Projekten mit kalkulierbarem Zeitaufwand engagieren. Auch wenn sie unter dem Dach eines Verbandes agieren wollen, verlangen sie etwas mehr Autonomie, Selbständigkeit und Kreativität. Die Vereine und Verbände sollten sich darauf einstellen, dass Freiwillige sich oft nicht mehr so lange binden wollen, sondern sich lieber auf Projekte konzentriert engagieren.

Viele Kommunen führen Bonus- oder Belohnungssysteme für Ehrenamtler ein. Wie bewerten Sie solche Initiativen?

Petrauschke Diese Systeme belohnen, genau wie der Ehrenamtspreis, bereits geleistetes Engagement und das ist auch gut und richtig. Im Mittelpunkt steht dabei, dass das Ehrenamt die Anerkennung in der Gesellschaft bekommt, die es dem Stellenwert nach verdient. Denn ich halte es für außerordentlich wichtig, dass wir die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit für unsere Gesellschaft immer wieder hervorheben. Mit Initiativen wie dem Ehrenamtspreis machen wir Werbung für das Ehrenamt und zeigen, dass Menschen sich in den unterschiedlichsten Bereichen engagieren – und dass bürgerschaftliches Engagement auch Mitwirken, Mitgestalten, Bürgernähe und Einflussnahme in der Gesellschaft bedeutet.

Gäbe es den Einsatz der Ehrenamtler nicht, müssten in vielen Bereichen bezahlte Kräfte eingesetzt werden. Gibt es eine Schätzung, was das den Rhein-Kreis kosten würde?

Petrauschke Den materiellen Wert von ehrenamtlichem Engagement kann man nicht beziffern – Ehrenamt ist unbezahlbar. Ganz sicher ist aber, dass unsere Gesellschaft um ein Vielfaches ärmer und kälter wäre ohne das Ehrenamt. Denn mögen die einzelnen Beiträge auf den ersten Blick auch oft klein erscheinen, so bedeuten sie für diejenigen, denen der Einsatz gilt, immer viel. Und es besteht kein Zweifel daran, dass sie in ihrer Summe unverzichtbar sind für unsere Gesellschaft. Ob im Verein, in einer Initiative oder einer sozialen Einrichtung – es sind die ehrenamtlich Engagierten, die Verantwortung übernehmen und unserer Gesellschaft ein menschliches Gesicht geben.

Beenden Sie bitte folgenden Satz: Ohne den Einsatz der Ehrenamtler, wäre…

Petrauschke … unsere Heimat ein Stück ärmer. Wir können stolz auf die Vielzahl und die Vielfalt des ehrenamtlichen Engagements bei uns im Rhein-Kreis Neuss sein!

Zum Artikel rund um den Wettbewerb geht es hier.

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