Ehemaliger Polizeibeamter wird Stadtbeauftragter der Malteser in Neuss

Neuer Stadtbeauftragter der Malteser in Neuss : Quereinsteiger führt Neusser Malteser

Der ehemalige Polizeibeamte Kurt Koenemann ist am Mittwoch als Stadtbeauftragter zum ersten Mal Gastgeber beim Königs-Empfang der Malteser. Als er zusagte, den Verband zu leiten, hatte er keine Ahnung von dessen Strukturen.

Er kam zu dem Amt wie die Jungfrau zum Kind: Kurt Koenemann ist seit November Stadtbeauftragter der Neusser Malteser, ohne zuvor jemals etwas mit dieser deutschlandweit aktiven Hilfsorganisation zu tun gehabt zu haben. Kein Geringerer als Landrat Hans-Jürgen Petrauschke rief Koenemann im vergangenen Sommer an und machte ihm das Amt „schmackhaft“. Er nahm an und wird am Mittwoch in neuer Funktion zum ersten Mal Gastgeber sein, wenn die Neusser Malteser zum Königsempfang in die Wache an der Breite Straße einladen. Und vielleicht ist er ja schon im kommenden Jahr Gastgeber und Gast zugleich, denn Koenemann wird in der Stadt als Bewerbern für die Neusser Schützenkönigswürde genannt.

Kurt Koenemann ist neuer Stadtbeauftragter der Malteser. Wenn er als solcher am Mittwoch den Schützenkönig begrüßt, wird er Uniform tragen. Foto: Andreas Woitschützke

Dass es Petrauschke war, der vor fast einem Jahr bei Koenemann anrief, machte diesen zunächst nicht stutzig. Denn der Landrat war damals noch sein Chef. Kurt Koenemann verdiente seine Brötchen bei der Polizei und hatte den Rang eines Ersten Hauptkommissars inne. „Am Schluss war ich Wachleiter in Meerbusch“, erzählt er. Total erstaunt sei er aber gewesen, dass Petrauschke ihn auf dem Schirm hatte, das Ehrenamt des Stadtbeauftragten der Malteser zu übernehmen. Aber er fühlte sich sehr geehrt: „Das Amt ist quasi zu mir gekommen“, meint er entspannt lächelnd.

Weil sein Ruhestand mit dem Amt zeitlich ziemlich ausgefüllt sein würde, stand vor einer Zusage das Gespräch mit seiner Frau. Die sei zunächst nicht begeistert gewesen, gibt Kurt Koenemann zu.

Er selbst nahm sich viel Zeit, um sich darüber zu informieren, was auf ihn zukommt und wie die Malteser „ticken.“ Mehrere Dinge gaben dann den Ausschlag, das Amt zu übernehmen. Das Wichtigste: Die Chemie stimmte von Anfang an. Weitere Pluspunkte: In Tim Gladis gebe es einen „super Stellvertreter“, so Koenemann, und der Weg zwischen der Rettungswache Nord und seinem Haus auf der Furth sei sehr kurz. Bei der Entscheidungsfindung spielte außerdem der Gedanke eine Rolle, der Allgemeinheit etwas Gutes zu tun. Zudem ist das Amt in einer katholischen Hilfsorganisation für ihn gelebte christliche Motivation, getreu nach dem Motto der Malteser: Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen. Für den überzeugten Christen Koenemann ist klar, dass er dieses Amt nicht übernommen hat, um einfach nur ein Amt zu haben. Sondern er möchte es auch richtig ausfüllen.

Doch welche Aufgaben hat er nun genau? Drei dicht beschriebene Bögen geben darüber Auskunft. Dort heißt es beispielsweise: „Im Team mit der Ortsleitung führt er die Gliederung, das heißt er sorgt für deren positive und nachhaltige Entwicklung, die Förderung der Bestehenden sowie den Aufbau neuer Dienste und Angebote. Er fördert das ehrenamtliche Engagement von Mitgliedern, indem er für günstige Rahmenbedingungen und eine wertschätzende Verbandskultur Sorge trägt“. Das hört sich nach grauer Theorie an - die Praxis ist wesentlich bunter. Und hier konzentriert sich Koenemann auf zwei wesentliche Punkte: Netzwerken und eine bessere Wahrnehmung der Malteser in der Öffentlichkeit.

Seine Schützenmitgliedschaft – Koenemann war lange Majors-Adjutant der Neusser Schützenlust – kommt ihm hierbei zugute. Dass er alle Verbandsstrukturen der Malteser noch nicht genau kennt, gibt er offen zu. Worauf er aber sein Augenmerk lenkt, sind die Säulen Rettungs- und Sanitätsdienst, Hausnotruf und mobile Küchenverpflegung. Er ist stolz darauf, dass die Malteser bei Großeinsätzen der Feuerwehr für Getränke und Verpflegung sorgen – und das oft spontan. Der Sanitätsdienst begleitet Großereignisse, die sonst gar nicht stattfinden könnten. Das alles ist nicht selbstverständlich, und Koenemann setzt sich mit Herzblut dafür ein, die vielen haupt- und ehrenamtlich Tätigen kennenzulernen: „Viele kennen mich schon, aber noch nicht alle. Und ich habe noch viele Fragen“, sagt er.

Doch sein Strahlen verrät, dass ihm die Tätigkeit Freude macht. Entscheidend trägt dazu der gelingende Austausch und die gute Vertrauensbasis innerhalb der Stadtleitung bei: „ Wir haben ein herzliches Verhältnis“, ordnet Koenemann den Umgang ein. Man könne sich aufeinander verlassen.

Ein besonderes Gemeinschaftsgefühl vermittelte kürzlich eine Wallfahrt mit drei Bussen von Neuss nach Kevelaer. „Die Menschen hatten ein richtiges Glücksgefühl. Das tat einfach gut“, erinnert sich der 62-jährige. Ein ähnliches Gefühl löste auch der „Wohlfühlmorgen“ bei Obdachlosen aus, der im November erstmalig in der Janus-Korczak-Gesamtschule stattfand. In diesem Jahr gab es auch schon einen Wohlfühlmorgen, der nächste wird am 7. September organisiert. Die Menschen ohne ein Zuhause freuen sich dann über gutes Essen, Massagen, Duschen, Friseurbesuch, Fußpflege und natürlich liebevolle Gespräche. „Das Ganze wird gut angenommen und wir möchten 2020 pro Quartal einen Wohlfühlmorgen anbieten“, erläutert Koenemann.

Und wie groß ist sein zeitlicher Einsatz für die Malteser? Ungefähr 20 Stunden pro Monat wendet er für sein Engagement auf. Dazu gehört auch ein monatliches Treffen auf Stadtführerbasis, an dem Seelsorger, Ärzte und Apotheker teilnehmen. Hier werden Probleme klar angesprochen und gelöst, berichtet Koenemann. Ganz wichtig ist ihm die Gewinnung neuer Mitglieder: Früher gab es durch den Ersatz- und Zivildienst viel mehr Tätige bei den Maltesern. Nach dessen Wegfall könne das Freiwillige Soziale Jahr diesen Mangel nicht auffangen. Der Stadtbeauftragte stuft es als schwierig ein, neue Mitglieder zu akquirieren. Wichtig sei es, die Jugend mit ins Boot zu holen. Das klappe derzeit besonders gut über den Schulsanitätsdienste.

Das neue Amt möchte er auf jeden Fall vier Jahre lang ausüben: „Dafür bin ich bestellt“, sagt Koenemann. Eine Verlängerung schließt er nicht aus. Wenn seine Frau dann nicht mehr berufstätig ist, stehen sicherlich auch öfter Reisen auf dem Programm. Aber immer präsent müsse er ja nicht sein, denn dafür gebe es schließlich einen Stellvertreter, resümiert er mit einem Augenzwinkern. Keiner nehme es ihm übel, wenn dieser mal komme.

Koenemann trägt bei offiziellen Anlässen immer seine Malteser-Uniform – aber auch sonst, um eindeutig Präsenz zu zeigen und klar erkennbar zu sein. Mit seinem Beruf hat er abgeschlossen: „Ich habe das gerne und mit Herzblut gemacht – aber vorbei ist vorbei“, sagt er. Krimis schaue er auch, aber sie haben oft nicht viel mit der Realität der Polizeiarbeit gemeinsam, meint er mit einem Lächeln.

Das Lesen zählt ebenso zu seinen Hobbys. Und was er sonst macht, verrät seine gleichmäßige Bräune: Regelmäßiges Rudern – und die Pflege seines Gartens mit bunter Blumenpracht. Im Winter fährt er gerne Ski und reist manchmal spontan an einen schneesicheren Ort. Einen ungewöhnlichen Herzenswunsch erfüllt er sich seit Oktober vergangenen Jahres: Er erlernt das Spielen auf der Klarinette. „Dieses Instrument hat so einen schönen Klang“, schwärmt Koenemann. Der habe ihn schon immer fasziniert – und so begann er mit dem Unterricht, ohne überhaupt Noten lesen zu können. Doch durch tägliches konsequentes Üben konnte er am vergangenen Weihnachtsfest schon mit zehn Liedern für entsprechende Stimmung sorgen.

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