1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: EHEC: Mensen stellen Essen um

Neuss : EHEC: Mensen stellen Essen um

Grüner Salat, ungekochte Tomaten und Gurken sind von den Speiseplänen von Schulen und Kantinen verschwunden. Zu groß ist die Angst vor dem EHEC-Erreger. Im Rhein-Kreis wurde jetzt der sechste Erkrankte gemeldet.

Bohnensalat, Spinatlasagne, Gemüsesuppe, Blumenkohl und Erbsen — auf dem Speiseplan der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Karl-Kreiner-Grundschule in Weißenberg sucht man vergeblich nach rohem Gemüse. "Unser Caterer, der Husemeshof in Kaarst, hat das sofort vergangene Woche aus dem Programm genommen", sagt Schulleiterin Dorothee Mühle. Rohes Gemüse steht in Verdacht, den Erreger zu transportieren. Schulleiterin Mühle steht in den Räumen der OGS, wo Schulküchenangestellte Heidi Koch und Miriam Jaskolski, die an der Schule ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, den Kindern ihr Mittagessen austeilen.

Laura (8) und Lilli (8) aus der 3. Klasse Karl-Kreiner-Grundschule freuen sich auf das Mittagessen – nur mit gekochtem anstatt rohem Gemüse. Foto: Berns

In der Schlange stehen auch Laura (8) und Lilli (8) aus der dritten Klasse und warten auf Bratwurst mit gekochtem Möhrengemüse. Keinem, weder den Erwachsenen noch den Kindern, ist die Sorge ums gesunde Essen anzumerken. Auch Eltern haben bislang nur vereinzelt besorgt nachgefragt. Doch Schulleiterin Mühle weiß, dass das auch an der schnellen Reaktion des Caterers lag und "das, obwohl das Gemüse sowieso alles nachweislich aus der Region kommt".

Doppelte Vorsorge ist sicherer — das ist auch das Motto an anderen Schulen in Neuss. Am Erzbischöflichen Gymnasium Marienberg, wo täglich bis zu 170 Schüler essen, wird laut Schulleiter Josef Burdich die ganze Woche schon kein Salat mehr serviert. Tomaten, Rohkost und Salate sind auch an der St.-Peter-Grundschule in Rosellen, der größten Grundschule im Kreis mit 180 Essen täglich, vom Speiseplan verbannt. "Wir kochen mehr frisches Gemüse und benutzen mehr Dosen- und tiefgekühltes Gemüse und Obst", sagt Schulleiterin Dorothea Braeuer-Lustenberger. Auch beim Catering-Unternehmen von Regina und Michael Kels in Norf ist der Absatz von Salat, Tomaten und Gurken auf Null gesunken. "Wir haben das gestrichen, um jeder Diskussion vorzubeugen", sagt Kels.

In der Rathaus-Kantine gibt es derzeit Salat auch nur auf besonderen Wunsch. "60 Prozent der Gäste essen das derzeit gar nicht", sagt Friedhelm Geuenich, der die Kantine seit 2000 mit seiner Frau Irene betreibt. Gemüse und Salate würden zusätzlich noch von einem Labor getestet, außerdem kämen die Lebensmittel nur aus der Region. "Alternativ werden jetzt viel Melone und Quarkspeisen gegessen", sagt Geuenich. Und allein an Kohlrabi habe er gestern mit 20 Kilo ein Vielfaches als sonst verkauft. Auch auf Pilz-Gerichte und Eintöpfe wichen jetzt viele Kunden aus. Geuenich hofft, dass es bald Entwarnung gibt. "Denn eigentlich ist jetzt ja die Zeit für Salat mit seinen ganzen Vitaminen, die wir eigentlich brauchen", sagt der Gastronom.

(NGZ)