Echo 2018: Jüdische Gemeinde aus Neuss kritisiert Kollegah und Farid Bang

Umstrittene Echo-Preisträger waren in Neuss : Jüdische Gemeinde kritisiert Kollegah und Farid Bang

Die Echo-Preisträger Kollegah und Farid Bang gastierten zuletzt in Neuss.

Die Echo-Preisträger Kollegah und Farid Bang gastierten zuletzt in Neuss. Die jüdische Gemeinde der Stadt hat den Auftritt der Rapper bei der Verleihung des Musikpreises kritisiert.

Michael Szentei-Heise hört gerne Hip-Hop. Eine Musikrichtung, in der Überspitzungen und Provokationen zum Alltagsgeschäft gehören. "Es gibt aber moralische Grenzen, die einzuhalten sind", sagt der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf-Neuss. Eben jene Grenzen seien durch die derzeit rauf und runter diskutierten Textzeilen der beiden Düsseldorfer Rapper Kollegah und Farid Bang weit überschritten worden.

In ihrem aktuellen Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" findet sich etwa die Textzeile "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song "0815": "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Das Duo war beim Musikpreis Echo für ihr Album in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden, obwohl bereits ihre Nominierung auf großen öffentlichen Protest gestoßen war. Nach der Auszeichnung der Düsseldorfer gaben mehrere Künstler ihre Echos zurück - darunter Marius Müller-Westernhagen und Klaus Voormann. Gestern erklärte zudem die Naturkostsafterei Voelkel, ihr Sponsoring der Echo-Verleihung zu beenden.

Michael Szentei-Heise bezeichnet die Reaktion der Menschen im Saal bei der jüngsten Verleihung als beschämend. "Da werden Grenzen massiv überschritten und alle sitzen da und feiern. Eine Katastrophe", sagt der 63-Jährige, der hinzufügt, dass Kollegah und Farid Bang gar nicht erst hätten eingeladen werden dürfen.

Im Saal protestierte lediglich Campino, Sänger der "Toten Hosen", offen gegen die Auszeichnung der beiden Rapper. "Ich habe ihm bereits persönlich dafür gedankt", sagt Szentei-Heise. Der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf-Neuss findet es zudem "verheerend, dass die Gesellschaft so abgestumpft und unsensibel ist, solche Leute gewähren lassen." Die Kunstfreiheit müsse bis zu einem hohen Maße sichergestellt sein, dürfe aber auf keinen Fall über die Menschenwürde gestellt werden. "Kunstfreiheit muss immer mit dem Grundgesetz vereinbar sein", sagt Szentei-Heise, der zudem für eine Änderung des Echo-Verleihungskonzeptes plädiert. So sollten in Zukunft auch moralische Grenzen bei Nominierungen berücksichtigt werden - und nicht nur die Verkaufszahlen. Dass die beiden umstrittenen Rapper aus der selben Stadt kommen wie er, kommentiert Szentei-Heise mit: "Ich schäme mich dafür."

(jasi)
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