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Neuss: E-Mobilität kommt in Neuss nicht in Fahrt

Neuss : E-Mobilität kommt in Neuss nicht in Fahrt

Der Boom der Elektromobilität wurde zwar 2010 im Stadtrat beschlossen, doch außerhalb der Stadtwerke hat sich noch nicht viel in Neuss getan. Es gibt kaum Elektroautos in der Stadt und deshalb auch nur wenige Ladestationen.

Die Stadt Neuss hat ein Fahrzeug mit Elektroantrieb angeschafft. Es ist das allererste. Es hat aber nur zwei Räder und ist genau genommen auch nur ein Elektrofahrrad, das nun auf Geheiß des Bürgermeisters Reiner Breuer angeschafft wurde für innerörtliche Dienstfahrten des Bürgermeister-Büros. Elektromobilität sei eines der Themen, sagte Breuer zum Dienstantritt, die endlich gezielt angepackt werden müssten. Abgesehen vom E-Bike gilt noch für den städtischen Fuhrpark: Alle 220 Fahrzeuge der Stadtverwaltung, also alle Autos, Lkw und Kleinräder, werden mit gewöhnlichem Kraftstoff angetrieben.

Fünf Jahre, nachdem der Rat der Stadt einstimmig einen Maßnahmenplan zur Förderung der Elektromobilität bis zum Jahr 2020 auf den Weg gebracht hat, fällt die Zwischenbilanz in Neuss eher mau aus: Die Stadtwerke (SWN) haben seit einigen Jahren drei Elektrofahrzeuge im Fuhrpark, sie betreiben auch zwei Ladestationen auf dem Betriebsgelände an der Moselstraße, eine weitere gibt es bei Westnetz an der Collingstraße. Radfahrer können ihre E-Bikes an zwei Pedelecstationen am Rheinpark-Center und in Holzheim aufladen, sieben SWN-Busse haben immerhin Hybridantrieb. Und derzeit prüfen die SWN, die ganze Buslinie 842 mit E-Bussen zu bedienen.

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Der Ausbau der Elektromobilität sollte bundesweit bis 2020 massiv vorangetrieben werden, eine Million E-Fahrzeuge sollten auf Wunsch der Bundesregierung dann über deutsche Straßen fahren. Doch das dürfte kaum mehr erreicht werden. Da ist Neuss auch keine Ausnahme, und das hat seine Gründe: Die kurze Reichweite schreckt ab, und die Elektro-Autos sind zu teuer. Der VW Golf etwa ist mit E-Antrieb ab etwa 35.000 Euro zu haben - fast doppelt so teuer wie ein Benziner. "Für E-Fahrzeuge interessieren sich viele, aber wenn sie die Preise hören, lässt das Interesse schlagartig nach. Es gibt einfach nicht genug Anreize", sagt Johannes Brester, Obermeister der Kfz-Innung im Rhein-Kreis. Dabei lägen je nach Modell die Betriebskosten nur bei rund 30 Prozent im Vergleich zu Dieselantrieb. "Trotzdem: Elektrofahrzeuge sind in Neuss noch immer eine Seltenheit."

Das Lukaskrankenhaus als Tochterunternehmen der Stadt hat E-Fahrzeuge für kurze Fahrten auf dem Betriebsgelände im Einsatz. Die eigentlichen Dienstautos werden aber mit Diesel oder Benzin betankt. Neuss-Marketing hat gar keine Autos im Betrieb, nur ein Dienstfahrrad. Und der Neusser Bauverein hat zwar 35 Autos im Fuhrpark, aber auch keine Elektromobile. "Wir haben elf VW-Ups in der Flotte, mit denen unsere Mitarbeiter in der Stadt unterwegs sind. Die sind in drei Jahren vielleicht 2000 Kilometer gefahren", sagt Bauvereins-Vorstand Dirk Reimann. Da sei ein extrem hoher Anschaffungspreis kaum mehr reinzufahren. Vor wenigen Jahren erwog die City Parkhaus GmbH, deren Geschäftsführer Reimann auch ist, im Parkhaus Rheintor eine E-Tankstelle für etwa 10.000 Euro einzurichten, ließ es aber, wegen der Zulassungszahlen. "Damals gab es im ganzen Rhein-Kreis 70 Elektrofahrzeuge", sagt Reimann. "Wir hätten die E-Tankstelle gebaut, wenn wir darin einen Sinn gesehen hätten."

Wie schwierig die E-Mobilität in Gang kommt, weiß niemand besser als Leaseplan, der größte Fahrzeugflottenbetreiber in Deutschland mit Sitz in Neuss. Das Unternehmen betreibt deutschlandweit 97.000 Autos in Fahrzeugflotten - davon sind 150 Elektroautos. Reinhard Hüning, Elektromobilitätsexperte bei Leaseplan, geht davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird: "Wenn die Entwicklung der Batterien in den nächsten Jahren einen Sprung macht, die Reichweite größer wird und die Preise damit sinken, werden die Fahrzeuge günstiger werden."

(NGZ)