Neuss: Durch Elektro-Räder steigt Unfallgefahr

Neuss : Durch Elektro-Räder steigt Unfallgefahr

Der Boom von E-Bikes und Pedelacs reißt nicht ab, gerade auch bei Pendlern. Die Räder werden bis zu 25 km/h schnell.

Wenn Kerstin Lemmen von ihrem herkömmlichen Zweirad auf ein motorisiertes umsteigt, nimmt sie sich stets zurück. "Daran muss man sich erst gewöhnen", sagt die 30-Jährige und meint damit die Geschwindigkeit, mit der sie dann unterwegs ist. Die wird laut Heribert Adamsky für viele Pedelac-Fahrer (nicht E-Bike, siehe Info) leicht zur Gefahr. "Viele unterschätzen besonders das Tempo beim Anfahren. Da kann es es einen ungeübten Fahrer leicht gleich aus der ersten Kurve werfen", sagt der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) im Rhein-Kreis Neuss.

Denn leichter vorankommen heißt längst nicht sicherer. In 102 Fällen machte die Polizei im vergangenen Jahr Radfahrer als Verursacher bei Unfällen aus (insgesamt 176 Unfälle). 2011 waren das nur 86 (insgesamt 170). In der Statistik sind Elektroräder zwar nicht gesondert ausgewiesen, aber Verbände und Behörden bezweifeln deren Zunahme auf den Straßen nicht. Und damit steigt auch die Unfallgefahr.

Bei den Elektrorädern, die durch das Treten in die Pedale und den Motor auf bis zu 25 km/h beschleunigen, sei vorausschauendes Fahren besonders wichtig, sagt Adamsky. Auch, weil die Radwege oft nicht für die höheren Geschwindigkeiten gebaut sind. "Wir gehen von einer Durchschnittgeschwindigkeit auf Radwegen von 15 km/h aus", sagt Norbert Jurczyk, Leiter des Amtes für Verkehrsangelegenheiten. Auf dieses Durchschnittstempo, das sich laut Jurczyk durch die zahlreichen Elektroräder in den nächsten Jahren weiter erhöhen wird, sind die Berechnungen der Straßenplaner, etwa zu den erforderlichen Sichtweiten vor Kreuzungen, ausgelegt. "Das wird sich in den nächsten Jahren definitiv ändern, auch was die Breite der Radwege und die Kurvenradien angeht", sagt Jurczyk. Bei neu angelegten Radwegen könnte das berücksichtigt werden, alte zu optimieren sei dagegen baulich aufwendig und damit kaum zu finanzieren. Radfahrstreifen müssen laut den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen eine Mindestbreite (ohne die Markierung) von 1,60 Meter haben. "Das ist zum sicheren Überholen bereits nicht mehr ausreichend", sagt Adamsky mit Blick auf die Elektroräder.

"Eine Testfahrt ist das A und O", sagt Fahrradhändler Patrick Meyer von Zweirad Oberländer in Gnadental. Dabei wächst die Zahl derjenigen, die mit einem Elektrorad unterwegs sind, stetig weiter. "Mittlerweile interessieren sich längst nicht nur mehr Senioren dafür, sondern zunehmend auch Pendler", sagt Meyer. Auch Kerstin Lemmen und ihr Mann, der 20 Kilometer zur Arbeit fährt, überlegen, sich ein Pedelac zu kaufen, um die Wege zur ihren Jobs schneller bewältigen zu können als mit dem normalen Rad.

(NGZ)
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