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Neuss: Düsseldorfer zieht es nach Neuss

Neuss : Düsseldorfer zieht es nach Neuss

Ulrike und Christian Korbmacher führen in dritter Generation einen der großen inhabergeführten Bauträger hierzulande. Die Geschwister erklären, warum junge Familien aus dem Umland in Neuss ein Haus bauen. 40 Prozent ihrer Kunden kommen aus der Landeshauptstadt.

Korbmacher, 1925 als reines Hochbauunternehmen gegründet, betätigt sich heute auch erfolgreich im Bauträgergeschäft. Verstehen Sie sich als ein Unternehmen für den lokalen Markt?

Christian Korbmacher In erster Linie sind wir ein Familienbetrieb, in dem meine Schwester und ich täglich mitarbeiten und für unsere Mitarbeiter und Kunden ansprechbar sind. Wir lieben die kurzen Wege. Dies gilt intern, dies gilt aber auch für das operative Geschäft.

Ulrike Korbmacher Der Schwerpunkt unserer Bautätigkeit liegt in Neuss, und das soll auch so bleiben. Aber natürlich schauen wir uns auch in der Nachbarschaft um. Wenn wir ein interessantes Projekt realisieren können, gehen wir auch über die Neusser Grenzen hinaus. In Düsseldorf bauen wir ebenso wie in Köln. Auch in Kaarst sind wir aktiv.

Welche Kriterien sind entscheidend, dass ein Projekt für Korbmacher interessant wird?

Christian Korbmacher Entscheidend ist immer die Lage. Grundsätzlich ist Neuss der perfekte Standort. Vorteile sind die Nähe zu den Metropolen Düsseldorf und Köln, die hervorragende Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und der hohe Freizeitwert.

Wo sind bevorzugte Lagen in Neuss?

Christian Korbmacher Der Neusser Süden ist besonders attraktiv. Das muss ich ja sagen, weil wir aus Grimlinghausen kommen. Aber der Wohnwert in den südlichen Stadtteilen ist ja auch hoch, und die Verbindung über die Fleher Brücke nach Düsseldorf ist sehr attraktiv.

Ulrike Korbmacher 40 Prozent unserer Kunden kommen aus Düsseldorf und wollen nach Neuss ziehen.

Das hat doch finanzielle Gründe. Baugrund ist in Neuss eben weitaus günstiger als in Düsseldorf.

Ulrike Korbmacher Das stimmt. Die Quadratmeterpreise liegen in Neuss bis zu 25 Prozent unter dem Düsseldorfer Niveau. Aber es geben nicht nur finanzielle Gründe den Ausschlag. In Neuss lässt sich gut leben, weil die Stadt großstädtische Angebote mit dörflicher Überschaubarkeit kombiniert. Gerade junge Familien zieht es nach Neuss.

Kritiker werfen der Stadt Neuss vor, zu wenig Bauland auszuweisen. Stimmen Sie in den Chor der Kritiker ein?

Christian Korbmacher Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten belegt ja, dass bereits 2013 die Nachfrage das Angebot in Neuss übertreffen wird. Es wäre gut, wenn weitere Flächen entwickelt werden.

Sollten nicht erst einmal Baulücken geschlossen werden, ehe neue Siedlungen auf der grünen Wiese entstehen?

Ulrike Korbmacher Es ist immer richtig, zunächst die Lücken in einer bestehenden Bebauung zu schließen. Wir machen das auch. Aber das wird auf Dauer nicht reichen.

Warum nimmt der Wohnraumbedarf in Neuss zu, wenn die Einwohnerzahl stagniert, ja womöglich zukünftig sogar abnehmen wird?

Christian Korbmacher Die Menschen wünschen und gönnen sich mehr Wohnraum. Häuser mit einer Wohnfläche von 120 bis 125 Quadratmetern sind heute nur noch bedingt gefragt. Heute werden 160 Quadratmeter und mehr gewünscht.

Was kostet denn ein Reihenhäuschen bei Korbmacher?

Ulrike Korbmacher Von 300 000 Euro an aufwärts. Es kommt natürlich auf das Grundstück, die Hausgröße und die Ausstattung an. Am Fährweg in Grimlinghausen sind die Grundstücke bis zu 450 Quadratmeter groß; die eingesetzten Materialien sind von hoher Qualität. Da rufen wir rund 550 000 Euro auf.

Viel Geld für eine junge Familie. Da geht Ihnen die Kundschaft nicht aus?

Ulrike Korbmacher Der Reiz, ein Haus zu bauen, ist ungebrochen, und viele investieren in diesen Zeiten der Finanzkrise zudem gern in Immobilien. Auch helfen oftmals die Eltern den Kindern.

Christian Korbmacher Die Grundstückspreise haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren verdoppelt. Der erschlossene Quadratmeter am Fährweg kostet 330 Euro gemäß Richtwertkarte. Da fließen schon allein 100 000 Euro in das Grundstück.

Der größte Bauträger in Neuss ist der Bauverein. Ist das kommunale Unternehmen nicht zu dominant?

Christian Korbmacher Wir arbeiten seit vielen Jahren sehr gut mit dem Bauverein zusammen. Mal sind wir Partner, mal sind wir Mitbewerber — aber immer sind wir Kollegen, die professionell ihre Aufgabe erledigen. Das gilt auch in unserem Verhältnis zur Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft in Neuss.

Korbmacher hat das Grundstück erworben, auf dem die Musikschule steht. Was planen sie an der Lützowstraße im Pius-Viertel?

Ulrike Korbmacher Der vorhabenbezogene Bebauungsplan ist in Arbeit. Unser Architekt, Markus Schmale, passt seine Pläne dem wertigen Umfeld an. 17 Reihen- und sechs Kettenhäuser sowie zirka 25 Eigentumswohnungen werden entstehen. Da entsteht eine besonders schöne Wohnanlage in bester Lage.

Ludger Baten führte das Gespräch

(NGZ)