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Jahresrückblick 2012: Drei Morde schocken die Neusser

Jahresrückblick 2012 : Drei Morde schocken die Neusser

Drei Tötungsdelikte haben 2012 in Neuss für Bestürzung gesorgt. Der Anschlag auf eine Mitarbeiterin des Jobcenters und weitere Drohungen lösen eine Debatte über die Sicherheit am Arbeitsplatz aus.

Jahrelang war Mord für die Neusser fast so etwas wie ein Fremdwort. Das ändert sich schlagartig, als Ende August Fallah Sänger, ein 35-jähriger Deutsch-Iraker, seine Familie brutal auslöscht. Es ist einer von drei Morden, die Neuss in diesem Herbst erschüttern — und vielleicht der verstörendste. "Wir hören täglich von Gewalt in aller Welt, aber plötzlich hat die Gewalt Namen", formulierte es Pfarrer Hein-Günther Korr in der bewegenden Abschiedsfeier für Saskia Sänger und ihre ebenfalls getöten Kinder Ismael (4) und Samara (8). "Die Gewalt hat unseren Ort erreicht."

Zufallsofer

Das bestätigt sich leider keine vier Wochen später, als Irina N., eine 32-jährige Sachbearbeiterin im Jobcenter an der Stresemannallee, in ihrem Büro von einem 52-jährigen Arbeitslosen erstochen wird. Aus einem nichtigen Motiv, wie Polizei und Staatsanwalt feststellen. Der noch in Tatortnähe festgenommene Marokkaner fürchtet einen Missbrauch seiner persönlichen Daten durch die Behörde. Weil er seinen Sachbearbeiter, den er angeblich nur zur Rede stellen will, nicht antrifft, sucht er — mit zwei Messern bewaffnet — Irina N. in ihrem Büro auf. Und tötet sie mit drei Stichen. Die junge Mutter — ein Zufallsopfer. Ihr Tod löst eine breite Debatte über die Sicherheit am Arbeitsplatz vor allem in den Teilen der Verwaltungen mit viel Publikumsverkehr aus. Schmierereien am Jobcenter nur Tage nach der Tat, die weiteren Mitarbeitern der Behörde mit Mord drohen, forcieren diese Diskussion.

Sexuelle Affäre

Landesarbeitsminister Guntram Schneider kündigt noch am Tattag in Neuss die Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen in allen Büros der Arbeitsverwaltung an, doch auch Stadt und Rhein-Kreis, der umgehend eine Sicherheitsanalyse in Auftrag gibt, stellen sich dem Thema. Noch in die Trauer um Irina N. platzt die Nachricht vom Tod der 86-jährigen Maria K. aus Reuschenberg. Sie wird von ihrem Schwager in ihrem Haus an der Birkenstraße tot aufgefunden. Eine Tat, die der Polizei Rätsel aufgibt: War die Rentnerin das Opfer von Einbrechern? War sie auch ein Zufallsopfer? Doch schon Anfang Dezember kann der Fall aufgeklärt werden, als die Polizei den 77-jährigen Schwager festnimmt. Er gesteht die Tat — und nennt ein ungewöhnliches Motiv: Maria K., mit der er vor zwei Jahren eine sexuelle Affäre begonnen hatte, soll ihm damit gedroht haben, dieses "Fremdgehen" öffentlich zu machen. Er tötet sie — und versenkt die Tatwaffe in der Erft. Dem Jobcenter-Mörder und dem 77-Jährigen wird im kommenden Jahr der Prozess gemacht. Fallah Sänger, der seine Familie tötete, bleibt unbehelligt. Er hat sich nach der Tat in den Irak abgesetzt.

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