Neuss: Drei für Shakespeare

Neuss : Drei für Shakespeare

Ein Bühnenbildner, ein bildender Künstler und eine Filmausstatterin richten die Wetthalle und den Vorplatz am Globe zum Festival-Foyer mit Wohlfühlcharakter her. Grundlage ist dabei ein Thema: das "Buch".

Die Stühle stehen ungeordnet herum; leere Picknickkörbe bilden einen wilden Haufen; der Kronleuchter liegt noch auf dem Boden; es riecht nach Farbe und frischem Holz; aus allen Ecken dröhnen Hammerschläge, und gelegentlich dringen Sprachfetzen durch. Von überstandenen Abi-Prüfungen und ungerechten Benotungen, denn wie immer sind es Studenten und fertige Abiturienten, die die Crew des Shakespeare-Festivals um Produktionsleiter Andreas Giesen und Festival-Chef Rainer Wiertz bilden. Doch derzeit ist bei ihnen Handarbeit angesagt, sind sie vollauf damit beschäftigt, die Wetthalle und den davor liegenden Platz zum Foyer mit Wohlfühlambiente für das Globe-Theater herzurichten.

Das Shakespeare-Festival ist ohne die von Susanne Wohlfahrt konzipierte Ausstattung rund um das Globe kaum mehr denkbar, und sie bleibt auch nach ihrem Abschied die Basis, auf der ihre Nachfolger weitermachen. Eine "Troika", wie Andreas Giesen lachend sagt, wurde dafür verpflichtet. Bühnenbildner und Produktdesigner Nico Rütten (33) aus Köln, der unter anderem für den WDR arbeitet, ist der einzige richtige Neuling, der das Festival zwar vom Namen, aber nicht aus eigener Anschauung kennt. Der lettische Künstler Vilnis Putrams (48) kommt schon seit Jahren als Mitarbeiter und Besucher immer wieder ins Globe, und die Filmausstatterin Maiko Ophei (38) gehörte schon in den ersten fünf Festival-Jahren als studentische Hilfskraft zur Crew.

Vor einer Woche haben sich die drei zum ersten Mal gesehen, zuvor über Mails ihre Ideen ausgetauscht, die sich rund um ein Thema drehen: das Buch. Wer sie gehabt, wann sie auftaucht ist, weiß keiner mehr so genau. "Ziemlich früh jedenfalls", sagt Ophei, und so hält es auch keiner für nötig, zu erzählen, wer die wie Buchrücken bemalten Backsteine auf dem Weg über den Platz, wer die geleimten "Buch"-Sessel und die Wandskulptur mit Shakespeares Konterfei entworfen hat.

"Das ist ja das Erstaunliche", sagt Putrams, "wir kannten uns kaum, und trotzdem funktioniert es phantastisch." Dabei nutzen die Drei Vorhandenes – wie die Stühle aus dem Fundus des RLT und die roten Vorhänge, die Wetthallen-Gastronom Werner Galka installiert hat, – und natürlich bleibt es bei der beherrschenden royalen Farbe Rot. Auch an Rosen wird es drinnen und draußen nicht fehlen, aber Geranien kommen neu dazu. Die Drei setzen eigene Akzente, mal mit alten Kirchenbänken, mal mit Wanddekorationen aus Schwertern und Zinntellern mit Ritterszenen.

Und für Andreas Giesen haben sie einen Brunnen gebaut – "für die Piazza". Denn der Crew-Chef trauert doch den Zeiten ein wenig hinterher, als der Vorplatz bei Regen zur "Themse" mutierte ...

(NGZ)
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