Drei Fotokünstler zeigen ihre Arbeiten im Kunstraum Neuss

Foto-Ausstellung im Kunstraum Neuss : „Näher“ an die Realität – auf drei Sichtweisen

Hildegard Monßen, Melanie Stegemann und Bernd Radtke zeigen ihre Fotarbeiten im Kunstraum unter einem gemeinsam gefundenen Motto.

Drei Fotokünstler, (fast) drei Generationen, zwei Frauen, ein Mann – und alle drei konzipieren eine Ausstellung, bei der allein das Thema, nicht die eigene Eitelkeit im Fokus steht. „näher“ ist die Ausstellung im Kunstraum betitelt, die Hildegard Monßen (71), Melanie Stegemann (35) und Bernd Radtke (59) mit Unterstützung des Kulturamts zusammengestellt haben.

Die Klammer ist dabei Monßen. Denn sie kannte sowohl Stegemann als auch Radtke, sorgte dafür, dass diese beiden einander kennenlernten. Und in einem rund siebenstündigen Gespräch haben die drei über die Dinge des Lebens geredet. „Wir haben festgestellt, dass wir ähnlich denken, aber dennoch unterschiedlich sind“, sagt Monßen, „denn jeder von uns hat aufgrund seines Alters andere Erfahrungen gemacht.“ Aber jeder habe auch beklagt, das es heute überwiegend um die „Oberfläche“ gehe, kaum jemand tiefer in ein Ding hineinschaut, -horcht oder -fühlt. Das Wort „nah“ allein reichte ihnen nicht mehr aus, befanden sie, und entschieden sich für die Steigerung „näher“ – als Gefühl, als wirkliches Erleben. Das treibt die drei auch in ihrer Arbeit um, und das sieht man auch in der Ausstellung.

Künstlerisch bleibt da jeder bei sich selbst, und doch weiß der Betrachter manches Mal nicht zu sagen, von wem welches Exponat kommt. Die hochästhetischen Aufnahmen von einer Blume  kennt man von Monßen, aber auch das Foto, das sie mit „Augenblick“ betitelt hat und eine Frau zeigt, die den Betrachter aus jedem Winkel anzuschauen scheint?

Könnte das nicht auch von Bernd Radtke stammen, der direkt daneben ein Foto von einem teilweise abgerissenen Plakat zeigt? Dass für beide Arbeiten der Ausstellungsträger eine lange Fahne ist, wurde natürlich mit Bedacht von den beiden entschieden. 

Melanie Stegemann wiederum zeigt Körperdetails. Dabei geht es weniger um Aktfotografie als vielmehr um das genaue Hinschauen und die Wahrnehmung von Details, etwa der Haut. Jede Pore ist sichtbar, aber ihre Sicht auf die Realität ist eine ganz andere als die der beiden älteren Kollegen. Das habe sich, so erzählt Monßen, vor allem bei den Aufnahmen von sehr behaarten Körperteilen gezeigt. „Uns hat es nicht vom Stuhl gerissen“, sagt sie und lacht, „aber Melanie erzählte uns, dass es solche Typen heute nur noch wenig gibt.“

Alle drei zeigen irgendwie das unperfekte Leben, jeder auf seine Weise, denn jeder von ihnen schaut am Ende dann anders auf die Dinge des Lebens.

Info Deutsche Straße, Eröffnung Sonntag,  30. Juni, 17 Uhr, bis 14. Juli

Mehr von RP ONLINE