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Dorfgemeinschaft Lanzerath bringt die Ortshistorie auf eine Infotafel

Initiative in Neuss : Lanzeraths ganze Ortshistorie auf einer Tafel

Die Geschichte des Ortes wurde nun allen Interessierten zugänglich gemacht. Dazu dient in erster Linie eine Stele, die ihren Platz neben dem Lanzerather Wegekreuz gefunden hat.

In den 1960er Jahren waren aus Sicht der Lanzerather zwei Ereignisse von herausragender Bedeutung: Der Bau der „Landwirtschaftlichen Nebenerwerbssiedlung“ für 21 ostdeutsche Bauernfamilien 1964 und die Gründung der Dorfgemeinschaft Lanzerath drei Jahre später. Diese prägt nach wie vor das Miteinander in besonderer Weise und sorgt jetzt dafür, dass die Ortshistorie allen Interessierten zugänglich gemacht wird. Dazu dient in erster Linie eine Stele, die ihren Platz neben dem Lanzerather Wegekreuz gefunden hat.

Die Idee, die auf markante Eckdaten reduzierte Ortshistorie sozusagen auszustellen, hatte Jürgen Ritterbach. Er gewann mit Markus Fröhmelt, dem Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft, nicht nur einen Unterstützer, sondern auch einen Sponsor, der – neben dem Kulturamt der Stadt – das Projekt finanziell möglich machte. Den inhaltlichen Input lieferte Peter Ackermann, der seit Jahren Quellen zur Geschichte Lanzeraths zusammenträgt und dokumentiert. Seine Lanzerather „Timeline“, die mit der ersten Erwähnung eines „Peter de Lanzerode“ im Jahr 1290 einsetzt, wurde vom Neusser Stadtarchivar Jens Metzdorf und dessen Kollegin Sandra Gesell als korrekt bestätigt, bevor die Stele von Knut Zellmann (Grafik) entworfen und letztlich von Frank Handeck montiert wurde.

Geplant ist noch, berichtet Ackermann, an der Stele einen QR-Code anzubringen, der direkt auf die Internetseite der Dorfgemeinschaft führt. Und: Zu jedem Datum auf der Stele soll auf der Geschichtsseite der Dorfgemeinschaft ein kurzer Bericht erscheinen.

Das wären 22  Fortsetzungsgeschichten, an deren Ende der Anschluss des Ortes an das Glasfasernetz im Jahr 2018 stehen würde. Sicher ein zukunftsträchtiges, aber wohl nicht das spannendste Thema, vergleicht man es etwa mit  der Inhaftierung des Jakob von Lanzerode auf Schloss Dyck im Jahr 1569 – wegen, so wörtlich, „Widerspenstigkeit und grober Hetze gegen die sogenannte Türkensteuer“.

Selbständig oder ein eigenständiger Ortsteil  ist Lanzerath trotz seiner langen Historie nie gewesen. Im Buch „Die Straßen von Neuss“ des Stadtarchivs gibt es deshalb auch kein eigenes Kapitel, sondern nur einen kurzen historischen Abriss unter den Erläuterungen zur Lanzerather Dorfstraße, die zuvor als Gartenstraße die erste offiziell benannte Straße in dem Flecken zwischen Neuss und Grefrath war. Doch eigenständig sind die Lanzerather schon. Das beweist  die Errichtung von Bürgerhaus und Festplatz in den Jahren 1995 bis 2004. Ohne die Eigeninitiative der Dorfbewohner hätte es sie ebenso wenig gegeben wie jetzt die Stele.