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Neuss: Doppelspitze für das TaS?

Neuss : Doppelspitze für das TaS?

Der Vorstand des Trägervereins und Weggefährten des Theaters am Schlachthof haben sich zu einer Krisensitzung getroffen. Eine Option nach dem Tod von Reinhard Mlotek: zwei Verantwortliche sollen das Haus leiten.

Bei aller persönlichen Betroffenheit und Trauer über den plötzlichen Tod des Geschäftsführers des Theaters am Schlachthof (TaS), Reinhard Mlotek, weiß der der Vorstand des Trägerverein "Eigen-Art", dass er zügig handeln muss. "Das Theater am Schlachthof wird, in Gedenken an Reinhard Mloteks Engagement, weiterbestehen und darf und soll auch in Zukunft als fester Bestandteil der Neusser Kulturszene angesehen werden", hat der Verein gestern zu seiner einer ersten Krisensitzung verlauten lassen. Zudem gibt es schon erste Überlegungen, wie das Theater in Zukunft geführt werden könnte: mit einem Verantwortlichen für den geschäftlichen Bereich und einem zweiten für die künstlerischen Belange.

Vorstellungen sind ausverkauft

Rund 20 TaS-Weggefährten, -gründer und Vereinsmitglieder hatten sich gestern Abend getroffen, um über erste Schritte nachzudenken. Zumindest, so hieß es aus dem Kreis, ist in dieser Krise allen deutlich geworden, wie schwierig es ist, wenn alles an einer Person hängt. Bevor noch im Dezember eine Mitgliederversammlung über den künftigen Weg entscheidet, soll erst mal eine Bestandsaufnahme über bestehende Verbindlichkeiten gemacht werden. Das TaS finanziert seine Bühnenprojekte häufig mit Zuschüssen aus Stiftungen — den Überblick darüber hatte vor allem Reinhard Mlotek. Der aktuelle Betrieb hingegen wird erst mal weiterlaufen — zumal da alle Vorstellungen im Dezember sehr gut verkauft oder sogar ausverkauft sind. Auch der Kartenverkauf für die Stunk-Sitzungen läuft weiter.

Verständlicherweise fällt es den meisten aus dem TaS-Umfeld schwer, nach dem gerade erlittenen, oft auch persönlichen Verlust klare Entscheidungen zu fällen. Denn so richtig fassen kann es kaum einer, dass Reinhard Mlotek, der das Gesicht und der Motor das TaS war, nicht mehr da ist.

Das ist auch für Bürgermeister Herbert Napp nicht anders. Er hat Mlotek "persönlich sehr, sehr geschätzt und ich bin deswegen nicht nur geschockt, sondern auch sehr traurig". Ihn hat der TaS-Trägerverein jedenfalls an seiner Seite. Denn Napp erklärte, dass er "sehr, sehr viel Wert" darauf lege, dass das TaS weiterläuft — in seiner Qualität und im Sinne von Mlotek". Dafür verspricht er "von meiner Seite alle erdenkliche Unterstützung".

Andere Weggefährten von Mlotek stehen auf der Bühne, obwohl ihnen nicht danach zumute ist. Wie die Kabarettisten Martin Maier-Bode und Jens Neutag. Die beiden, die das TaS mitgegründet haben, ringen fast um Worte: "Ich kann das noch gar nicht richtig begreifen", sagt Neutag, und Maier-Bode fühlt sich von einem "menschlichen Schlag, den man nicht erwarten konnte", getroffen.

Auch für Bettina Jahnke, Intendantin des RLT und somit Kollegin von Mlotek, ist dessen Tod "ein sehr großer Verlust". Er sei "ein inniger Verfechter seines Hauses gewesen — so, wie es sein muss". Sie wünscht sich, dass es in seinem Sinne weitergeführt wird: "Alles andere wäre sehr schade für Neuss und die Kulturszene."

(NGZ)