Neuss: Doktor behandelt mit Humor

Neuss: Doktor behandelt mit Humor

Eckart von Hirschhausen hielt in der Neusser Stadthalle seine Sprechstunde ab. Sein Programm "Liebesbeweise" besticht durch Comedy der leiseren Töne. In Neuss fand er damit viele neue Patienten.

Den Doktor im Namen trägt Eckart von Hirschhausen nach eigenen Angaben auch deshalb so gerne, weil sich Bücher und CD's mit akademischem Titel einfach besser verkaufen. Aha – ist man geneigt zu sagen – noch so ein überaus geschäftstüchtiger Unternehmer der Unterhaltungsbranche, der mit Lachern viel und gerne Geld verdient. Doch dies ist bei Hirschhausen eben nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht mit der eigenen Stiftung "Humor hilft heilen – für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus" eben auch eine käuflich zu erwerbene Clownsnase, die Gutes tut.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dieser Ambivalenz auch mit seinem Bühnenauftritt – jener überdimensionalen Sprechstunde, die sich aktuell "Liebesbeweise" nennt. Eckart von Hirschhausen ist in weiten Teilen nicht wirklich überraschend, macht auch allzu oft Werbung in eigener Sache oder für das eigene Wissen. Doch neben den eher unangenehmen Passagen, in denen der ehemalige Stipendiat und Humanmediziner in Duktus und Auftritt an einen dieser kitschigen Schaumschläger aus Motivationsseminaren erinnert, stehen unnachahmlich schlaue Momenten.

Momente, in denen Hirschhausen schlagfertig und wortgewandt mit seinen Publikum spielt und in der Interaktion punktet. Dabei kann Hirschhausen durchaus auf seine TV-Prominenz und seine literarischen Erfolge vertrauen – die Stadthalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein kurzer Test förderte dann übrigens das auch für Hirschhausen überraschende Ergebnis zu Tage, nahezu ausnahmslos vor einem unbefleckten Publikum zu spielen.

Und so bediente sich Hirschhausen zum Einstieg in seine Abhandlung über die zwischenmenschlichen Höhenflüge und Tiefpunkte des altbekannten Pinguins. "Glücklich ist man nur in der richtigen Umgebung – und mit dem richtigen Partner." Bevor der Mensch allerdings zum Partner, zum Ei und schließlich zur Kolonie kommt, hat er einige Klippen zu umschiffen. So muss er etwa erst tief verwurzelte Triebe begreifen, um sich bei der Wahl des Partners nicht in die Irre führen zu lassen. Gerade der gestillte Mann tendiert bekanntlich dazu, die Kuschelecke seiner ersten Monate auch später nicht vermissen zu wollen. Und was macht Frau richtiger? "Die sucht sich mitunter auch B-Ware und baut ihn selbst zum Spitzenprodukt auf."

(NGZ)