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Neuss: DNA in Waffe überführt Dreifachmörder

Neuss : DNA in Waffe überführt Dreifachmörder

Ist die Pistole, die bei Kleidung von Fallah Sänger gefunden wurde, das Mordinstrument, mit dem er Frau und Kinder tötete? Um das zweifelsfrei feststellen zu können, wurde die Waffe in der Rechtsmedizin der Uni Bonn untersucht.

Zwischen Pulverruß und Waffenöl fanden Experten des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Bonn im Inneren einer Pistole, was sie dort nie zu finden geglaubt hätten: DNA-Material von Saskia Sänger (27) und ihren beiden Kindern Samara (8) und Isamel (4). Die waren im vergangenen August in ihrer Wohnung an der Kaarster Straße erschossen worden. Dieser einmalige Fund stößt nicht nur die Tür zu neuen Dimensionen in der kriminalistischen Spurensuche auf, sondern erlaubt es den Ermittlern auch, das eine oder andere Fragezeichen in diesem Mordfall durch ein Ausrufezeichen zu ersetzen.

"Wir wollten durch die Untersuchung absichern, was für uns anhand der Spurenlage eh feststand", erklärt Staatsanwalt Christoph Kumpa den Gutachtenauftrag an die Gerichtsmedizin Bonn. Das Ergebnis ist ein Erfolg. Er kann nun gerichtsfest beweisen, dass die Pistole, die eine Woche nach der Bluttat gefunden worden war, zweifelsfrei die Tatwaffe ist — und Fallah Sänger, Vater und Ehemann der Getöteten, der Täter. Denn von dem Deutsch-Iraker, der sich am Tattag in den Irak abgesetzt hat, fand sich kein DNA-Material in der Waffe. Er könnte sich nicht auf einen unbekannten Dritten am Tatort herauszureden versuchen, der vielleicht sogar auf ihn selbst geschossen haben soll.

Die Beweise sicherte Cornelius Courts, ein promovierter Diplombiologe, Fachmann für forensische Genetik und ein Experte für Tatwaffen. Der gebürtige Klever beschäftigt sich an der Rechtsmedizin der Uni Bonn schon länger mit dem "Backspatter-Effekt": Stehen Schütze und Opfer nicht zu weit auseinander, spritzt Gewebe bei Auftreffen der Kugel in Richtung des Schützen zurück — und lässt sich im Waffenlauf nachweisen. "Die Spuren überstehen sogar einen Nachschuss", sagt Courts. Er veröffentlichte die Ergebnisse und trug sie auf einer Weiterbildungsveranstaltung der Polizei vor. Denn diese Methode kann einen Zusammenhang zwischen Opfer und Waffe herstellen, wenn Projektile beschädigt oder verloren sind, die klassische Ballistik an ihre Grenzen stößt.

Über diese Arbeit kam der Rechtsmediziner aus Bonn mit den Fahndern im Neusser Mordfall und am Ende auch mit den Machern von "Quarks & Co" in Kontakt, die mit ihm einen Beitrag für diese Wissenschaftssendung drehten. Der wurde am vergangenen Dienstag im WDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Doch ausgerechnet bei dieser Waffe kam Courts mit seiner Annahme nicht weiter. "Entgegen unseren Erwartungen haben wir nichts im Lauf gefunden", sagt Courts. Der Täter hatte nicht einen, sondern in kurzer Folge fünf Schüsse auf Frau und Kinder abgefeuert. Druck, Hitze und aggressive Verbrennungsrückstände hatten alle DNA-Spuren im Lauf zerstört. "Vorsichtshalber", so erinnert sich Courts, untersuchte er deshalb andere innere Flächen — und wurde fündig. Auf der Außenseite des Schlittens, hinter der Mündung und der Außenseite des Laufes, der vom Waffengehäuse ummantelt ist, wurde DNA-Material sichergestellt.

Die Blutsverwandtschaft von Täter und Opfern stellte die Forensiker bei der Auswertung vor ein Problem. Doch ein einzigartiges Merkmal, das der Vater nicht vererbte, ließ am Ende eine zweifelsfreie Zuordnung der Spuren zu.

(NGZ/anch/url)