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Neuss: Distel-Gastspiel voller Pointen und Esprit

Neuss : Distel-Gastspiel voller Pointen und Esprit

Mit einer Aufführung seines Programms "Das Schweigen des Lammert" und mit seinen Kollegen von der "Distel" aus Berlin feierte Martin Maier-Bode sein 30-Jähriges auf der Bühne. Dort, wo alles begonnen hat: in der Alten Post

Ohne ihn hätte es einige der besten Kabarettabende und Bühnenstücke im Theater am Schlachthof, aber auch manche Erfolge im Rheinischen Landestheater nicht gegeben. Wohl auch keine Stunksitzung, deren Autor, Regisseur und zentraler Mitinitiator das Multitalent Martin Maier-Bode ist.

Genau genommen darf man sogar bezweifeln, dass es ohne ihn überhaupt je das Theater am Schlachthof gegeben hätte, denn immerhin waren seine Kabarettkurse an der Alten Post vor rund zwei Jahrzehnten die Talentschmiede für jene kleine, unerhört kreative und engagierte Gruppe von Künstlern, die die Bühne an der Blücherstraße ins Leben riefen und damals schnell zur Legende machten als Ort für Experimente, Ideen, Dissidenz und Wege jenseits des kulturellen Mainstreams. Und wie viele jener Väter und Mütter des Theaters am Schlachthof spielt auch Martin Maier-Bode längst bundesweit in der obersten Liga, als Autor, als Kabarettist, als Regisseur und Schauspieler.

Dass er jetzt mit der renommierten Berliner Kabarettbühne "Distel", deren künstlerischer Leiter er seit 2009 ist, ausgerechnet in der Alten Post einen glanzvollen Abend mit Kabarett vom Feinsten präsentierte, war allerdings weit mehr als eine Rückkehr zu den Wurzeln. Wo er einst quasi das Adelsprädikat jedes politischen Kabarettisten erhielt, nämlich die fristlose Kündigung aufgrund von Bühnenäußerungen, die schon wenige Jahre später niemanden mehr erschüttert hätten, war der Auftritt mit dem Distel-Programm "Das Schweigen des Lammert" nicht nur grandioses Kabarett voller Pointen und Esprit, sondern auch ein wunderschöner Triumph über seine einstigen Widersacher.

Schon die Rahmenhandlung des Programms ist herrlich skurril und trägt die typische Handschrift von Martin Maier-Bode: Michael Nitzel als Millermann, selbst ernannter Verbandssprecher der güllepumpenverarbeitenden Industrie und gewerkschaftshassender Mittelständler, Matthias Lauschus als Hucky, rockiger Inhaber des "Honky Tonky", der einzigen Kneipe von "Ehmte- Bahnhof", einem Ort, dessen "Drogenszene aus einem Zigarettenautomaten neben dem Altglascontainer" besteht und Maier-Bode als Studienrat Linskötter, ("Ich bin Lehrer – meine Schüler sind so doof wie orthopädische Strümpfe").

Sie streifen durch die Untiefen Berliner Politik – ein heterogenes Trio auf einer Odyssee zwischen Politikern, Lobbyisten, Bankern, Demoskopen und einem "Basementdirector", der früher schlicht Pförtner hieß.

Und egal, ob es um Politiker geht, bei denen "Inkompetenz die Voraussetzung für ihren Posten" ist, um Banker, die – in einem grandiosen Text von Jens Neutag – als die totalen Anarchisten das Finanzsystem von innen bekämpfen, oder um den Werbespot der "Fundamental Vernagelten Partei Deutschlands": Dieses Programm war ein Feuerwerk aus Spitzen und Aberwitz, zum Brüllen komisch, zum Nachdenken, zum Immer-Wieder-Anschauen und Weiter-Erzählen.

(NGZ)