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Neuss: Diskussion um Straßenmusik in Neuss

Neuss : Diskussion um Straßenmusik in Neuss

Für die einen ein Graus, für die anderen ein Stück mediterranes Flair: Straßenmusiker mit Gitarre, Panflöte oder Drehorgel. Kaufleute und Wirte klagen über die Dauerbeschallung und wünschen sich längere Pausen.

Mit dem Frühling sind sie wieder da: die Neusser Stadtmusikanten. Gitarre, Panflöte oder Leierkasten – von Musik begleitet eilen die Einkäufer durch die Neusser Innenstadt. Was mancher Passant als ein Stück Urbanität empfinden mag, kann auch nerven. Das sagt zumindest Christoph Napp-Saarbourg, der Vorsitzende der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN). Er hält es mit Wilhelm Busch. "Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden." Dabei will Napp-Saarbourg die Straßenmusiker keineswegs aus dem Stadtbild verbannen, aber er drängt auf längere Pausen und hörbare Ortswechsel. Der ZIN-Chef fordert, dass die städtischen Mitarbeiter die Beachtung der gültigen 30-Minuten-Regel "noch gezielter" kontrollieren und durchsetzen: "Das wäre ein Gewinn."

Unterstützung erhält Napp-Saarbourg von Walter Theisen. Der Wirt im "Drusushof" am Hamtorplatz muss auf seiner Terrasse regelmäßig für Ruhe sorgen. Einige Gäste fühlten sich von den mobilen Stadtmusikanten gestört. "Wir sind ja kein Urlaubsort. Viele wollen gerade in der Mittagszeit berufliche Themen besprechen", weiß der erfahrene Wirt, der seit 18 Jahren im "Drusushof" Regie führt. So zeigte er einigen musizierenden Zaungästen bereits die "rote" Karte.

Gesetzlich verboten ist das Musizieren unter freiem Himmel nicht, auch das anschließende Einsammeln eines Entgelts ist erlaubt. "Nur, wenn sich Anwohner oder Gäste tatsächlich belästigt fühlen, dann greifen wir ein", sagt Stadtsprecher Michael Kloppenburg und beruft sich dabei auf das Immissionsschutzgesetz. Wenn erforderlich, schickt der Kommunale Servicedienst (KSD) die Musiker fort. Ohnehin gilt in Neuss: Straßenmusiker dürfen maximal eine halbe Stunde an einem Ort spielen. Dann werden sie von den KSD-Mitarbeitern aufgefordert, sich einen anderen Standort zu suchen. Verstärker sind generell verboten; auch dürfen keine Kinder eingesetzt werden, um einen Obolus bei den unfreiwilligen Zuhörern "einzutreiben".

Ob die Musik gefällt, hängt dabei längst nicht nur vom persönlichen Geschmack ab. Die städtischen Mitarbeiter beobachten, dass Musiker unterschiedlicher Qualität die Straßenszene betreten. Das Spektrum reicht vom Blockflöten-Schüler über den Musikstudenten bis zu professionellen Musikern aus dem Ausland, die sich mit Straßenkonzerten die Reise durch Deutschland finanzieren. In München müssen Musiker sogar ein Casting bestehen, ehe sie die Lizenz für Auftritte auf Straßen und Plätzen erhalten.

Auch in Neuss sind oftmals "richtig Gute" zu hören. Davon erzählt Donato Ficuro, Inhaber des Eiscafés "Roma" am Markt. "Im vergangenen Jahr kam immer mal wieder einer, der sang fast wie Pavarotti. Und ich als Italiener mag solche Musik." Dem habe er sogar 20 Euro und ein Glas Wasser gegeben – als Gage für seine gute Unterhaltung.

(NGZ)