1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Diskussion um Meererhof

Neuss : Diskussion um Meererhof

Die Stadt Neuss will den Meererhof aufwerten. Sie hat sogar einen Wettbewerb unter Architekturstudenten ausgelobt, um neue Ideen für die Fläche zu gewinnen. Doch Anwohner und Händler sehen die Neuerungen skeptisch.

Als die Wuppertaler Architekturstudentin Inna Wilhelm zum ersten Mal den Meererhof besuchte, war sie geradezu schockiert: Als "trist, unfreundlich und leer", beschreibt die 23-Jährige die Fläche. Ähnlich sieht es Bürgermeister Herbert Napp: "Heute würde man eine solche Anlage nicht mehr bauen", sagt er. Die Stadt hatte deswegen einen Wettbewerb unter Architekturstudenten ausgelobt: Sie sollten Ideen zur Umgestaltung der Wohn- und Geschäftsfläche vorlegen. Gestern präsentierten die Studenten der FH Düsseldorf ihre Entwürfe für einen schöneren Meererhof. Visionen gibt es, etwa von begrünten Dächern, farbigen Fassaden oder indirekter Beleuchtung. Doch ob die Ideen jemals umgesetzt werden, bleibt offen. Denn der Meererhof gehört einer Eigentümergemeinschaft. Und die Eigentümer finden die Ideen zwar gut — zahlen wollen sie für Neuerungen aber nicht.

"Ich wohne gerne im Meererhof" sagt Senta Heinze. Wie andere Anwohner ärgert sie sich darüber, dass die Anlage oftmals als "Schandfleck" bezeichnet wird. "Dabei haben wir hier eine super zentrale Lage mitten in der Stadt, deswegen bin ich auch hergezogen", sagt Heinze. Auch Raimund Ross, einer der Eigentümer, verteidigt die Anlage: "Gerade für ältere Menschen ist der Meererhof als zentraler Wohnort mit vielen nahen Geschäften optimal", sagt er. Dass nun die Eigentümer für Bausünden der 70er Jahre geradestehen sollen, findet er nicht richtig. "Zumal wir schon viel investiert haben, etwa in neue Fenster", erzählt Ross.

Bürgermeister Napp will jetzt das Gespräch mit Anwohnern und Gewerbetreibenden suchen. "Aus den Ideen der Studenten werden wir einen zentralen Vorschlag für den Meererhof entwickeln", erläutert er die Planung. Für diesen Vorschlag werde er sich einsetzen — "mehr können wir nicht tun", sagt Napp. Denn entscheiden müssen die Eigentümer — eine Mehrheit muss sich für die Pläne aussprechen, erst dann können Veränderungen kommen. Überzeugt werden müssen auch die Händler. Denn die Studentengruppe um Professor Dierk van den Hövel hatte moniert, dass nur wenig qualitativ hochwertige Läden im Meererhof angesiedelt sind. Insbesondere die Wetthalle kritisierten sie. Die ziehe das falsche Klientel in die Anlage. Betreiber Michael Siebert macht so etwas natürlich wütend. Den Vorschlag, anstelle seines Wettbüros eine Gourmet-Markthalle zu installieren, findet er falsch. "Das hatten wir doch schon, und es ging pleite", sagt Siebert. Dabei sieht auch er ein, dass Veränderungen nötig sind. "Ich bin bereit, mitzuwirken", sagt der Geschäftsmann. "Aber nicht um jeden Preis."

(NGZ)