Neuss: Digitalisierung verändert Unternehmen

Neuss: Digitalisierung verändert Unternehmen

Wer den Einsatz von IT-Technologie im Firmenalltag versäumt, könnte auf der Strecke bleiben. Unternehmer tauschten sich bei einem Diskussionsabend über Chancen und Gefahren aus - und über die Digitalkompetenz von Mitarbeitern.

Die gesellschaftliche und soziale digitale Herausforderung war das große Thema eines vom CSR Kompetenzzentrum des Rhein-Kreises Neuss mit dem Multitechnologieunternehmen 3M veranstalteten Diskussionsabends. Am erstaunlichsten war dabei, dass es nicht nur Fragen, sondern auch Antworten gab. Den Anstoß für unzählige Wortmeldungen gab Ayad Al-Ani, Professor für Change Management und Consulting am Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin. Sein Vortrag "Neue Beziehungen im Unternehmen: Mitarbeiter, Maschinen und die Crowd" hatte es in sich und provozierte von Beginn an eine Frage des WDR-Moderators Johannes Simon: "Wie schaffen wir es, die Menschen mitzunehmen?"

So vieles ist derzeit in einem rasanten Wandel. "Industrie 4.0 lässt grüßen", sagte Christiane Grün eingangs. Für die Vorsitzende der Geschäftsführung von 3M Deutschland ist der offene Umgang mit den Veränderungen entscheidend, flankiert durch die zunehmende Forderung an die Vielseitigkeit der Mitarbeiter. 3M könne mit der Digitalisierung gut umgehen. Andere sahen nicht nur Chancen, sondern betonten auch Gefahren. "Wir haben noch keine gesellschaftliche Theorie für die Digitalisierung", gestand denn auch Al-Ani ein, "und auch noch keine volkswirtschaftliche."

Was sich auf diesem Gebiet vor unseren Augen aber alles tut, ist zukunftweisend. Es gäbe schon sehr viele intelligente Maschinen, war beispielsweise zu erfahren. Neue Märkte für neue Produkte entstehen. In dieser Situation sei es wichtig, sich in die Gesellschaft einzubringen und mitzuwirken. "Der Mittelstand ist gefordert", betonte Kreisdirektor Dirk Brügge. In zehn Jahren, das ist eine der Kernaussagen von Ayad Al-Ani, würden die Unternehmen ganz anders aussehen. Wer heute ohne den intensiven Einsatz von IT-Technologien erfolgreich sei - und das sind sehr viele in diesem Land - könnte sich bald auf dem Abstellgleis wiederfinden.

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Was bedeutet das für den Einzelnen? Wie wirkt sich das auf die Gesamtwirtschaft aus? Diese Fragen sprechen äußerst komplexe Zusammenhänge an, auf die Al-Ani nicht mit Bewertungen, sondern mit Vermutungen antwortete. Lernen und Arbeiten sei ein ganz wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Die Beschleunigung der technischen Entwicklung sorge nachhaltig dafür, dass alle mitmachen. Beispielsweise werden von den Produzenten User und Community in die Wertschöpfung integriert. Nur so kommt die Ökonomie voran, denn aus eigener Kraft klappt es nicht mehr.

Einige diskursive Umdrehungen weiter war die Rede von der künstlichen Intelligenz, die sich anschicke, menschliche Arbeitskraft weitgehend entbehrlich zu machen. Die Dringlichkeit, mit der immer mehr anschwellenden Datenflut fertig zu werden, verstärke diesen als Problemlöser angesehenen Trend. Mit dem am Horizont aufziehenden Quanten-Computer werde alles noch einmal schneller gehen. Maschinenlernen als Abfolge von Optimierungen ist angesagt, und Blockchain als eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen breitet sich aus. Diese Technologie hatte bislang niemand auf dem Schirm.

Wer im Zeitalter der künstlichen Intelligenz bestehen möchte, muss selbst digitale Kompetenz erwerben. Doch immer noch, und das klingt nun wieder tröstlich, wird auf absehbare Zeit die menschliche Entscheidung relevant bleiben.

(NGZ)
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